Sunlighthouse: Das Fazit

Sunlighthouse: Das Fazit

Monitoring Screen: Energiebilanz auf einemn Blick

Gesamtenergieverbrauch, Energieproduktion und Gebäudeautomation des Sunlighthouses standen zwölf Monate lang im Fokus der Experten der Donauuni Krems. Gleichzeitig nahmen sie auch die architektonische Funktionalität, Raumluft und Tageslichtqualität genau unter die Lupe, denn eine gute Energiebilanz allein schafft noch kein Wohlfühlklima für die Bewohner. Deren subjektive Bewertungen, aufgezeichnet von den Soziologen des IFZ Graz, flossen genauso in die Auswertung ein.

Viel Tageslicht mit wenig Temperatur

„Wir befürchteten, dass ein Fensteranteil von über 50 Prozent der Wohnnutzfläche nicht nur viel Tageslicht, sondern auch Hitze ins Haus bringt“, erinnert sich Ludwig Dorfstetter an die Bedenken beim Einzug. Die vielen Fenster waren zentrales Element der Planung: Sie wurden von Architekt Juri Troy gezielt positioniert, um die Belichtung in allen Bereichen des Sunlighthouse zu optimieren. Der hohe Tageslichtanteil wirkt positiv auf die Bewohner ein und ist das Um und Auf für richtigen Wohnkomfort. „Das Sunlighthouse hat unsere Hitzebedenken Tag für Tag widerlegt: Das Innenklima war zu jeder Jahreszeit sehr angenehm“, resümiert die Familie.

Temperatur im Sunlighthouse

 

Die quantitativen Daten unterstreichen diese Eindrücke: Trotz zwei extremer Hitzeperioden stieg die Raumtemperatur nur an sechs Tagen stärker an und lag durchschnittlich bei 24,4° Celsius im Sommer und 21,3° Celsius im Winter. Sehr gut war gleichzeitig die Luftqualität mit einem durchschnittlichen monatlichen CO2-Gehalt zwischen 437 und 797 ppm.

Raumluft im Sunlighthouse

Wie viel Technik braucht das Haus?

Für frische Luft sorgte die Kombination aus bedarfsgerechter Fensterlüftung und einer kontrollierten Wohnraumlüftung, die Teil einer komplexen Haustechnik ist. „Die Steuerung der Gebäudeautomation war anfangs schon eine Herausforderung für uns“, erklärt Yasmin Dorfstetter. „Nach einer Eingewöhnungsphase ist die Handhabung aber rasch klar geworden und wir verstanden, warum etwa die Fenster automatisch aufgehen.“ Neben allen Vorteilen der Technik ist eine individuelle Steuerung für die Bewohner jedoch unverzichtbar, wie Dorfstetter betont.

Energieproduktion über Plan

Energiebedarf und -produktionDie komplexe und weitreichende Technik, die in der Testphase zwar wichtige Daten lieferte, wird für künftige Projekte nach dem Active House-Konzept aber kein „must-have“ sein. Sie sorgte nämlich auch beim Energiebedarf für Überraschungen: Er betrug 5,1 kWh/m²a und überschritt damit deutlich den Planwert von 2,5 kWh/m²a. Diesen Mehraufwand kompensierte die Energieproduktion aus erneuerbaren Energien wie Solarthermie und Photovoltaik: Obwohl das Haus auf einem schwierigen, schattigen Grundstück gebaut wurde, fiel diese um 20 Prozent höher als erwartet aus. Gleichzeitig reduzierte sich der Gesamtenergieverbrauch auch dank der ausgezeichneten Energiebilanz der Fenster.

In der Gesamtbewertung erfüllt das Sunlighthouse damit alle Erwartungen: „Heute sehen wir, dass es durchaus möglich ist, nachhaltige Gebäude nach den Active House-Kriterien Komfort, Energieeffizienz und Umwelt zu bauen, nicht nur in der Theorie – auch in der Praxis“, zieht Lone Feifer, Projektleiterin von VELUX ModelHome 2020, Bilanz.

Die Planung – der Schlüssel des Pionierprojekts

Die integrale Planung von HEIN-TROY Architekten war schließlich der zentrale Bestandteil des wissenschaftlich begleiteten Projekts: „Nur eine ganzheitliche Betrachtung schafft eine Balance zwischen den manchmal widersprüchlichen Anforderungen an die Energieeffizienz eines Gebäudes und der Tageslicht-Architektur“, erklärt DI Michael Walter, Geschäftsführer VELUX Österreich. Da von Beginn an alle Projektbeteiligten gemeinsam Lösungen erarbeitet haben, konnten alle Kriterien für ein perfektes Active House berücksichtigt werden: „Von der Ausrichtung des Baus bis hin zur Positionierung der Fenster und dem Verhältnis von Innen- zu Außenräumen wurde alles detailliert abgestimmt“, erklärt Michael Walter den komplexen Planungsprozess.

Prognosen halten Realitätscheck stand

CO2 Bilanz

Diese umfassende Vorarbeit ermöglichte auch die treffenden Prognosen und Modell-Berechnungen aus der Computersimulation: Der Praxistest hat nur vereinzelt Überraschungen gebracht. Sämtliche Messdaten dieses umfassenden Haus-Experiments wird VELUX nun veröffentlichen. Von den Detail-Ergebnissen dieses gelungenen Pionierexperiments erwarten sich Experten wertvolle Erkenntnisse für die künftige Baupraxis, zumal auch Testfamilie Dorfstetter überzeugt ist: „Das Sunlighthouse steht für Wohlfühlwohnen im Einklang mit der Umwelt. Es funktioniert.“

 

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