Eine „stadliche“ Revitalisierung

Eine „stadliche“ Revitalisierung

Revitalisierung des Kirchenstadels in Gottestal

Als das Ehepaar Anthofer die Gelegenheit bekam, den alten Kirchenstadel in der Kärntner Ortschaft Gottestal zu kaufen, hatte zumindest Oliver Anthofer als Architekt und Tischlermeister schon ein klares Bild vor Augen. Die Einfachheit und Klarheit des Gebäudes überzeugte ihn ebenso wie dessen Potential für einen Ausbau. 2009/2010 nahm er deshalb im Zuge seines Holzbau-Lehrgangs die Revitalisierung des Kärntner Pfeilerstadels zum Thema seiner Masterarbeit. 2013 startete er das Projekt Revitalisierung, 2015 war der Umbau seines Stadels Gottestal in Holzbauweise fertig gestellt.

Revitalisierung des Kirchenstadels in Gottestal der Kirchenstadel vor dem Umbau

 

Vom alten Nutzgebäude zum modernen Wohn- und Arbeitsraum

Ziel war es von Anfang an, das Gebäude äußerlich so zu erhalten, wie es schon 120 Jahre lang existiert hatte. Der Holzbau von heute eignet sich perfekt, um sich in die statisch wie kulturell fragile Konstruktion einzufügen. Damit wird der Charakter des einst landwirtschaftlich genutzten Gebäudes in die Wohn- und Komfortansprüche von heute übertragen. Die Größe und Offenheit des alten Pfeilerstadels lieferten optimale Voraussetzungen für die Integration getrennter Wohn- und Arbeitsbereiche. Beide werden wie seit jeher über die ehemalige Stadelbrücke erschlossen.

 

Fast sakrale Licht-Schatten-Stimmungen

Der Therapie- und Veranstaltungsraum im Hochparterre wird durch die erhaltene Außenfassade mit den gemauerten Ziegelfenstern geprägt. So sind störende Ablenkungen einfach ausgeblendet, und es entstehen zauberhafte Lichtstimmungen je nach Jahres- und Tageszeit. Die Wände wurden gegenüber der erhalten gebliebenen Außenfassade zurückgesetzt und durch eine raumhohe Isolierverglasung abgetrennt, die das durch die Ziegelfenster reichlich eindringende Tageslicht in den Raum lässt. Gleichzeitig entstand so ein Laubengang, der durch die Fenster Belüftung erhält und dadurch als klimatischer Pufferraum fungiert.

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Großzügiger, lichtdurchfluteter Dachausbau

Über eine Treppe gelangt man von der Stadelbrücke in den Wohnbereich im ausgebauten Dachgeschoss. Der ebenfalls gegenüber der Außenfassade zurückgesetzte Baukörper vereint sich über eine schräge Kniestockwand mit dem Dach zu einer zusammenhängenden Klimahülle.

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Die anfänglichen Befürchtungen der Bauherrin, dass es im Dachgeschoss zu dunkel werden könnte, wurden durch eine Tageslichtevaluierung mit dem VELUX Daylight Visualizer für die Pläne ihres Architekten-Gatten rasch entkräftet. Zum First hin offene Räume und ein stimmiges Belichtungskonzept durch Lichtschlitze, die der Dachneigung folgen, erzeugen ein luftig-transparentes Raumambiente mit optimaler Tageslichtversorgung und Belüftung.

Damit ist selbst an regnerischen Tagen nur äußerst selten künstliches Licht nötig. Ein südseitiger Außenbereich erweitert die Wohnbereiche in der warmen Jahreszeit.

 

Ressourcenschonende Revitalisierung

Als Tischler legte Oliver Anthofer selbst umfangreich Hand an und setzte auf nachhaltigen Umgang mit dem vorhandenen Material, wofür Holz aufgrund seiner Langlebigkeit ja prädestiniert ist. So ließ er etwa die alten acht Zentimeter starken Bodenpfosten, über die früher die Traktoren in den Stadl fuhren, demontieren, spalten, hobeln und ölen und nutzte sie als Bodenbelag. Die Bretter, auf denen einst das Heu lagerte, durften nach Behandlung mit einer japanischen Oberflächen-Brenntechnik als Wandverkleidung weiterleben. Der Dachstuhl aus handgehackten Balken bekam nur eine verstärkende Konstruktion, blieb aber ansonsten bis auf eine gründliche Säuberung im ursprünglichen Zustand.

Der Pfeilerstadel in Gottestal beweist, wie eine gefühlvolle Revitalisierung dazu beitragen kann, in vom Aussterben bedrohten Ortskernen belebende Akzente zu setzen und erhaltenswerten historischen Strukturen eine neue Zukunft zu geben.

„Ohne meine Ausbildung und meine Begeisterung für das Handwerk hätten wir uns an dieses Projekt nicht herangetraut. Es brauchte aber auch den Austausch mit und den Input von anderen Professionisten und Handwerkern, um dem Pfeilerstadel das gewünschte Leben einzuhauchen. Jetzt ist er ein wirklich guter Platz zum Leben – und kein Parkplatz, wie er schon geplant war …“ – Oliver Anthofer

Nachher Fotos: Patricia Weisskirchner

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