Das Steildach: Steil im Vorteil

Das Steildach: Steil im Vorteil

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Es gibt da einen, ja fast schon Volksglauben, wonach man mit Flachdach-Bauweise vorhandene Bauplätze besser ausnützen kann. Tatsächlich ist aber eher sogar das Gegenteil der Fall – und ein Steildach klar im Vorteil, auch und gerade bei schmaleren Grundstücken. Dazu bedarf es eines kleinen Ausflugs in die österreichische Bauordnung.

Knackpunkt für jeden Bebauungsplan in Österreich ist die Gebäudehöhe und daraus resultierend der Bauwich (Fläche zwischen Gebäudeaußenwänden und Grundstücksgrenze, die nicht bebaut werden darf). Die Gebäudehöhe ist nicht(!) die Firsthöhe bei einem Steildach, sondern immer die Höhe der senkrechten Wand; der Bauwich ergibt sich im Allgemeinen aus einer von dort in einem Winkel von 45 Grad zum Boden gedachten Linie und einem gewissen Multiplikator.

Bauwich

Die Vorgaben für die Gebäudehöhe sind in jedem Bundesland anders geregelt, genauso wie die Vorschriften für den Bauwich. Zum Beispiel beim Bauwich

Niederösterreich:        ½ Gebäudehöhe, mind. 3 m

Kärnten:                     0,6 x seitliche Gebäudehöhe, mind. 3 m

Tirol:                          0,6 x seitliche Gebäudehöhe, mind. 4 m

Oberösterreich:           mind. 1/3 der Bauhöhe, mind. 3 m

Darüber hinaus können örtliche Bebauungspläne auch andere Richtwerte vorgeben.

 

Überzeugender Vergleich pro Steildach

Bleiben wir beim Beispiel Niederösterreich und einem schmalen Grundstück, wo es im Sinne der Wohnfläche quasi wirklich um jeden Zentimeter geht. Hier hält sich ja hartnäckig die Meinung, dass ein Flachdach-Gebäude die Grundstücksfläche besser ausnützt. Aber sehen Sie selbst in der direkten Gegenüberstellung (Abb. 1):

Schmales Grundstück mit Flachdach-Gebäude

Abb. 1: Schmales Grundstück mit Flachdach-Gebäude

 

Schmales Grundstück mit Steildach-Gebäude

Abb. 2: Schmales Grundstück mit Steildach-Gebäude

Auf ein und demselben Grundstück gewinnen Sie mit Steildach-Bauweise 60 cm Gebäudebreite und damit mehr Wohnfläche (Abb. 2). Der Dachraum ist zwar aufgrund der Fläche und der Schrägen nicht als Wohnraum ausbaubar, liefert aber wertvoll nutzbaren Stauraum.

Schmales Grundstück mit Steildach-Gebäude – Dachfirst offen

Abb. 3: Schmales Grundstück mit Steildach-Gebäude – Dachfirst offen

Alternativ gewinnen Sie – wie Abb. 3 zeigt – ein wesentlich großzügigeres Wohngefühl, wenn Sie den Dachfirst offen gestalten. Mit dem VELUX Daylight Visualizer lässt sich der Unterschied zum Flachdach-Gebäude in Raum- und Lichtgefühl eindrucksvoll veranschaulichen (Abb. 4).

Die Lichtsituation im Flachdach-Gebäude bei einer Raumhöhe von 2,6 m Im Steildach-Gebäude mit offenem Dachfirst

Abb. 4: Links die Lichtsituation im Flachdach-Gebäude bei einer Raumhöhe von 2,6 m, rechts im Steildach-Gebäude mit offenem Dachfirst.

Bei einem „normal“ dimensionierten Grundstück ist es eine andere Art von Wohnflächen-Zugewinn, die bei annähernd gleichen Baukosten für eine Steildach-Lösung spricht (Abb. 5). Neben der größeren Gebäudebreite liefert hier ein ausbaufähiges Dachgeschoss hochwertigen Wohnraum – quasi ein drittes Geschoss für sofort oder mit der Option für später.

Flachdach Steildach

Abb. 5: Mehr Wohnraum bei gleicher Grundfläche und nahezu identen Baukosten.

Das Resümee

Der rationale, weil vermeintlich effiziente Grund für ein Flachdach, ist damit eindeutig widerlegt. Vielmehr ist das Steildach die tatsächlich wesentlich effizientere Lösung, wenn es um Maximierung der Wohnfäche geht. Außer, Sie haben aus subjektiven, formalen Gründen eine Vorliebe für ein Flachdach. In puncto Flächennutzung des Grundstücks und Wohnflächen-Gewinn spricht jedoch alles für ein Steildach (Abb. 6).

Links das schmale Grundstück rechts ein normal breites Grundstück

Abb. 6: Ein abschließender Vergleich: Links das schmale Grundstück, rechts ein normal breites Grundstück – jeweils mit maximal erlaubter Flachdach- bzw. Steildach-Bebauung. Die gelben Flächen zeigen das Raumvolumen des Flachdach-Gebäudes, die blauen Flächen zum Vergleich das Raumvolumen der jeweiligen Steildach-Lösung.

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