Den Wolken ein Stück näher

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So beschreibt Architekt DI Martin Strobl jun. das Wohngefühl in seinem neuen Dachgeschossausbau. In nur sechs Monaten Bauzeit hat er sich über den Dächern der Grazer Innenstadt auf 150 m2 ein Refugium geschaffen, dass eine ganz neue Art von innerstädtischer Wohn- und Lebensqualität bietet. Aber alles der Reihe nach.

Dachausbau in der Grazer Innenstadt

 

 

Angedacht hatte Martin Strobl das Projekt bereits 2008 im Zuge seiner Diplomarbeit zum Thema innerstädtische Nachverdichtung. Was damals noch einen ganzen Straßenzug umfasste, verwirklichte er schließlich letztes Jahr in bester Grazer Innenstadtlage.

 

Dachkonstruktion mit Innenwirkung

Im Zuge der umfassenden Sanierung wurde die straßenseitige Dachfläche parallel zum Nachbargebäude angehoben und hofseitig eine Gaupe mit integrierter Terrasse errichtet, um ein entsprechendes Raumvolumen zu schaffen. Dabei wurde der gesamte Dachstuhl abgetragen und mit Massivsperrholzplatten neu errichtet. Diese haben sowohl tragende als auch raumbildende Funktion und bleiben im Innenbereich sichtbar. Das Fichtenholz wurde lediglich weiß lasiert, was den Holzcharakter erhält, ihm aber gleichzeitig die Schwere nimmt und statt dessen eine fast skandinavisch anmutende Leichtigkeit verleiht. Außerdem verhindert die weiße Lasierung auch das typische Nachdunkeln der Fichte, sodass das helle Raumambiente erhalten bleibt.

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Helligkeit schafft Großzügigkeit

Obwohl die typischen Schrägen den Dachausbau prägen wirkt das Raumambiente extrem luftig und frei. Das liegt zum einen an der Kombination des hellen Holzes mit Weiß. Zum anderen sind es die überaus großzügigen Fensterflächen, die das Gefühl der Freiheit und Offenheit vermitteln. Eigentlich waren ursprünglich weniger Fenster eingeplant, aber Architekt Martin Strobl entschied sich für eine Tageslichtsimulation, um die Tageslichtversogung zu optimieren. Zu den fast 14 Metern Glasfront durch die Gaupe an der Nordostseite und die fast 20 Meter Glasfront durch die Dachanhebung an der Südwestseite erhöhen nun auch Dachflächenfenster und Highlights direkt unter dem First die Tageslichtausbeute entscheidend.

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Selbst an trüben, bewölkten Tagen braucht es dadurch kein künstliches Licht. „Vor allem die direkte Belichtung der so hell gestalteten Wand- und Deckenflächen durch die Dachfenster bringt einen enormen Lichtzugewinn, wodurch die Räume noch höher und heller wirken“, zeigt sich DI Martin Strobl begeistert. Diesen Effekt macht er sich auch beim elektrischen Beleuchtungskonzept zunutze, wo alle Lichtquellen zusätzlich horizontal und nach oben abstrahlen.

Holz in urbaner Interpretation

Dieser Dachgeschossausbau zeigt, wie viel Leichtigkeit eine ausgeprägte Verwendung von Holz ausstrahlen kann. Gerade im innerstädtischen Bereich ist der nachhaltige Baustoff als gestaltendes Element noch eher untypisch. Genauso wie der Verzicht auf die bei Dachausbauten so gerne sichtbar erhaltenen Sparren. Statt dessen zeigt Architekt Martin Strobl mit seiner Massivholzplatten-Dachkonstruktion eine sehr moderne, aber trotzdem lebendige Lösung, die Holz ganz natürlich ins urbane Umfeld integriert. Dementsprechend wurden auch alle Fenster sowie die Terrassenschiebetür in Holz ausgeführt. Sogar außen erweist der Architekt dem Material noch seine Reverenz und verkleidete die Fassadenfläche der Gaupe mit einer Lärchenschale.

In seiner neuen Dachgeschosswohnung genießt Martin Strobl das Nachhausekommen in einer neuen Qualität. Das Wohn- und Lebensgefühl mit Ausblick auf den Grazer Hausberg vermittelt ihm, wie er sagt, einen Hauch von Freiheit.

Aber auch die direkt unter ihm liegenden, straßenseitigen Wohneinheiten im 3.Obergeschoss profitieren von der Neukonstruktion des Dachs. Der nunmehrige Zugewinn zwischen der bestehenden Traufe und der neuen Dachfläche verbessert die Belichtungsverhältnisse und reduziert die Schräge, die nutzbare Wohnfläche erhöht sich. Bei all dem gewonnenen Wohnkomfort bleibt der Ausbau dank dem respektvollen Umgang mit dem Bestand und der zurückhaltenden Architektur im Stadtbild kaum wahrnehmbar.

Fotos: Patricia Weisskirchner

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