RenovActive: Wenn sich Sanieren nachhaltig rechnet

RenovActive: Wenn sich Sanieren nachhaltig rechnet

Vor einem halben Jahr haben wir hier das revolutionäre Renovierungskonzept RenovActive vorgestellt. Es beruht zum einen auf den ActiveHouse Kriterien und zum anderen darauf, auch die Themen Wohngesundheit und Wohlfühlklima in einem umfassenden und nachhaltigen, aber auch leistbaren Konzept zu vereinen. Das Sanierungsprojekt im Brüsseler Stadtteil Anderlecht beweist, dass sich RenovActive auch auf den sozialen Wohnbau trotz dessen engem Kostenkorsetts übertragen lässt.

Rund 80 Millionen Europäer – so eine Studie der renommierten Humboldt Universität Berlin – leben in düsteren, ungesunden Gebäuden mit zu wenig Tageslicht und zu wenig Frischluft. Das liegt zum Großteil einfach daran, dass ein hoher Bestand an Altgebäuden existiert, bei deren Errichtung die Erkenntnisse fehlten, die wir heute haben. Nämlich dass ein gesundes Wohnklima ohne Schimmel und ähnliche Beeinträchtigungen das Risiko von Krankheiten wie Asthma drastisch verringern kann. Vom allgemeinen Wohlbefinden und den Auswirkungen auf Konzentrations- und Leistungsfähigkeit ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass die Forderung, auch und besonders bei Sanierungen Energieeffizienz und Wohngesundheit gleichermaßen zu berücksichtigen, immer stärker wird. Wie das möglich ist, beweist das Brüsseler RenovActive Gemeinschaftsprojekt von VELUX und der Wohnungsbaugenossenschaft Le Foyer Anderlechtois. Was sich an dem Gebäude wie verändert hat, davon geben wir Ihnen hier einen kleinen Überblick.

RenovActive: Vorher/Nachher Wohnraum

RenovActive: Vorher/Nachher Kinderzimmer

Drastisch reduzierter Energieverbrauch

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Was eine dichte Gebäudehülle, solide Dämmung der Fassade und des Dachs sowie Doppel- und Dreifach-Fensterverglasung bewirken, sehen Sie hier:

  Vor der Renovierung Nach der Renovierung Differenz
Heizenergiebedarf 700 kWh/m2y 25 kWh/m2y –96 %
Primärenergiebedarf 1.300 kWh/m2y 82 kWh/m2y –94 %

Bei einer Temperatur von 19 °C entsprechend der belgischen Norm

Komfortgewinn auf allen Ebenen

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Mehr Tageslicht dank größerer Fensterflächen allgemein, durchdacht platzierte Dachfenster im Anbau und im Stiegenhaus sowie ein Tageslicht-Spot im innenliegenden Badezimmer:

Tageslichtfaktor Ø Vor der Renovierung Nach der Renovierung Differenz
Erdgeschoss 3 % 7 % +133 %
1. Stock 2,6 % 3,7 % +42 %
Anbau Erdgeschoss 1 % 9 % +800 %

 

 

Verantwortlich für diese markante Verbesserung sind vor allem zwei Maßnahmen: die Verlegung des engen Stiegenhauses neben dem Eingang in den Wohnbereich und die hoch positionierten Dachfenster, die das Licht bis tief ins Gebäudeinnere bringen.

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Auch die Frischluftversorgung stimmt dank dem offen gestalteten Stiegenhaus mit zwei elektronisch gesteuerten Dachfenstern, wodurch ein so genannter Kamineffekt entsteht.

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Zusammen mit einem „Hybrid-Belüftungs-System“ (eine einfache Wohnraumlüftung) wird damit nicht nur die Luftqualität entscheidend verbessert, sondern gleich mit der Belüftung auch für entsprechende Kühlung gesorgt, indem die automatisierte Fenstersteuerung die Nacht-Kühle nützt. Tagsüber wird der Wärmeeintrag durch automatisch gesteuerte Beschattungssysteme an allen Fensterflächen deutlich reduziert.

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Das RenovActive Sanierungsprojekt in Brüssel ist ein Musterbeispiel für zukunftsweisende Sanierung. Mit ihm wurde ein leerstehendes Gebäude einer neuen und zeitgemäßen Nutzung zugeführt – ohne Inanspruchnahme von zusätzlichem Bauland, aber dafür mit nachweislichem Gewinn an Wohn- und Lebensqualität. Angesichts der Tatsache, dass die Sanierungsrate in Österreich derzeit unter 1 % liegt, wäre das eine nachahmenswerte Anregung für heimische Bestandsgebäude.

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