Modernes Wohnen im historischen Winzerhaus

Modernes Wohnen im historischen Winzerhaus

Eingangsbereich im Winzerhaus

Mitten in der Donaustadt Krems steht ein 300 Jahre altes Haus. Ein Haus, das sich an schroffe Felsen lehnt und Geschichte atmet. Fenster, die viel gesehen haben, Wände, die viel zu erzählen wüssten. Ein Revitalisierungsprojekt der besonderen Art.

Im Westen liegt die liebliche Wachau, kaum mehr als einen Steinwurf entfernt. Fährt man Richtung Norden, lässt man die üppigen Weingärten des Kremstales bald hinter sich und erreicht die südlichen Ausläufer des mystischen Waldviertels: Krems, die schöne Hafenstadt an der Donau, hat die Herzen des Architekten-Paares Christine und Franz Leuthner im Sturm erobert. Mitten in der geschichtsträchtigen Altstadt fanden sie ein 300 Jahre altes Winzerhaus, zwar zu groß, um es zu zweit zu bewohnen, dafür aber mit einem zukunftsweisenden Potenzial: Durch die Schaffung mehrerer Wohneinheiten kann der Landschaftszersiedelung entgegengewirkt und die städtische Infrastruktur effizient genutzt werden.

Winzerhaus von außen

Geschlichtet und geschichtet

Zielsetzung der Planer war es, den Charakter des Hauses bestmöglich zu erhalten und das Gebäude und den Wohnkomfort auf zeitgemäßen Standard zu bringen. Da sich das Objekt in einer Schutzzone befindet, sollte die Intervention an der Fassade so gering wie möglich ausfallen. Für die ursprüngliche Nutzung als Winzerhaus und Heurigenausschank wurde das Haus damals in äußerst solider Bauweise aus Naturstein und Ziegel (geschlichtet) errichtet, deren klimatische Qualitäten für die Lagerung von Wein überaus vorteilhaft sind. Das Dachgeschoss wurde jedoch im Zuge des Umbaus in hoch qualitativer, geschichteter Bauart völlig neu und zweigeschossig errichtet.

Ein Haus mit Herausforderungen

Eine Besonderheit verleiht dem Haus zwar einen ganz eigenen, herben Charme, stellte jedoch auch eine Herausforderung für die Planer dar: Von außen nicht erkennbar, grenzt das Gebäude an der Rückseite an einen mächtigen Felsen. Christine und Franz Leuthner machten aus der Not eine Tugend und schufen mit viel Geschick geschützte Freibereiche.

 

Revitalisierungsprojekt Winzerhaus

Die besondere Lage am Felsen bringt allerdings auch viel Schatten mit sich, zudem sind die Tage im Donautal besonders im Herbst und im Winter oft trüb. Erklärtes Ziel war daher, die Wohnbereiche mit ausreichend Tageslicht zu versorgen. Auch der Ausblick war dem Architektenpaar wichtig: „So viel Ausblick wie möglich, aber keine Einblicke“, so lautete das Credo von Christine Leuthner. Mit viel Fingerspitzengefühl wurden daher Belichtungselemente so gesetzt, dass jedes einzelne Fenster einen speziellen Ausblick gewährt. Wände und Dachschrägen bieten wiederum die nötige Abschirmung, um sich als Bewohner geschützt und privat zu fühlen – das gekonnte Wechselspiel zwischen Wänden und Öffnungen schafft somit eine einzigartige Kombination aus Freiheit und Geborgenheit.

Fenster zum Himmel

Das für die Gesundheit von Körper und Seele so wichtige direkte Sonnenlicht fand in der Planung besondere Berücksichtigung – Dachfenster lassen in der neuen Dachwohnung viel natürliches Licht in die Räume. Zenitlicht von oben bietet an diffusen Tagen drei Mal so viel Licht wie seitlich einfallendes Horizontlicht durch vertikale Fenster. Das perfekt inszenierte Zusammenspiel zwischen vertikalen und Dachfenstern, kombiniert mit hellen Zementfliesen, weißen Wänden und Eichenparkett, schafft faszinierende Lichtstimmungen, besonders in den goldenen Nachmittagsstunden.

Helle Räume im Winzerhaus Große Fenster im Winzerhaus

Gewusst wie: Sonnenlicht intensiv nutzen

Woher weiß man, ob ein Raum wirklich hell genug ist? In vielen Ländern wird eine Messmethode für den Tageslicht-Einsatz verwendet – die Ermittlung des Tageslicht-Quotienten. Dieser gibt an, wie viel Prozent des draußen verfügbaren Tageslichts bei bedecktem Himmel auf einer Innenfläche in der Höhe von 85 cm über dem Fußboden im Innenraum auftreffen. Je höher der Tageslicht-Quotient, desto mehr Tageslicht ist im Raum vorhanden. Ein Raum wird übrigens als besonders hell empfunden, wenn der Tageslicht-Quotient durchschnittlich 5 % und mehr beträgt.

Frischer Wind im Winzerhaus

Neben genügend Licht braucht man natürlich auch frische Luft für wohngesunde Innenräume. Im alten Winzerhaus weht nun – besonders im Obergeschoss – ein frischer, zeitgemäßer Wind. Während unten konventionell gelüftet wird, wurde für das Dachgeschoss ein hybrides Lüftungssystem konzipiert: eine kontrollierte Wohnraumlüftung in Wechselwirkung mit einer automatisierten Fensterlüftung. Im Sommer öffnen sich die hoch positionierten Dachflächenfenster nachts automatisch und kühlen die tagsüber erwärmte Speichermasse ab. Das Prinzip der gezielten Nachtkühlung, auch Natural Ventilative Cooling genannt, reduziert in den Sommernächten die Temperaturen im Haus deutlich, tagsüber sorgen über Zeitschaltung automatisierte Markisetten für wohltuende Beschattung.

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Mit viel Liebe und Gespür für die historische Substanz, Materialien, Formen und Handwerk, aber auch mit viel architektonischer Raffinesse und technischem Know-how wurde aus dem alten Kremser Winzerhaus ein zeitgemäßes Active House, das ein gesundes und komfortables Leben für seine Bewohner schafft und trotz der Modernisierung Zeuge und Dokument vergangener Epochen bleiben durfte. „Ein Spiel mit alt und neu“, wie Christine Leuthner es formuliert.

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