Architektur im Wandel

Architektur im Wandel

Architektur im Wandel

Moderne Architektur stellt mehr und mehr den Menschen und seine Bedürfnisse in den Fokus. Eines der wichtigsten ist Arbeiten und Wohnen mit Tageslicht. Viele Architekten beziehen die Wissenschaft in ihre Planung mit ein.

Hatte man früher oft den Eindruck, viele Gebäude entstanden entweder ausschließlich zweckorientiert oder um als eine Art ewiges Denkmal für den Erbauer zu fungieren, ist heute eine spannende Trendwende erkennbar. Denn mehr und mehr rückt der Mensch mit all seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt – immer öfter auch bei öffentlichen und gewerblich genutzten Gebäuden.

Freilich, so ganz selbstlos ist der Trend nicht: Studien zeigen, dass Mitarbeiter, die mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind, sich wesentlich besser mit dem Unternehmen identifizieren, motivierter und engagierter sind – eine Win-win-Situation im allerbesten Sinne.

„Powered by science“

Marilyne Andersen erforscht das Tageslicht.

Längst hat sich die Wissenschaft der Erforschung der Faktoren für mehr Gesundheit und Zufriedenheit in Innenräumen verschrieben. Marilyne Andersen, Physikerin und Professorin für nachhaltige Bautechnik, leistet mit ihren Forschungen seit langem Wegweisendes für eine bessere Architektur. Ihr Hauptinteresse gilt dabei dem Tageslicht, dessen Wirkung auf den Menschen sie in ihrem interdisziplinären Labor LIPID (Labor für Performance-integriertes Entwerfen) erforscht. Derzeit konzentriert sie sich auf die vier Bereiche Sehkomfort, Wahrnehmung, Gesundheit und Energie sowie deren Wechselwirkungen. „Wir befassen uns damit auf allen Maßstabsebenen vom Individuum bis zum Städtebau“, so Prof. Andersen. Ihre Erkenntnisse können somit auch im privaten Haus- und Wohnungsbau genutzt werden.

Testen…

Die LIPID-Forscher verlassen sich natürlich nicht nur auf die Theorie, sondern arbeiten auch mit Testpersonen. Ein Beispiel: Um die individuellen Präferenzen bezüglich der Helligkeitsverteilung zu ermitteln, werden mit Virtual-Reality-Brillen unterschiedliche Lichtsituationen in einem Raum wiedergegeben. Deren Attraktivität wird dann von den Testpersonen bewertet. Zusätzlich zu Forschungsarbeit und Testprojekten hält Marilyne Andersen Nutzerbefragungen in realen Gebäuden für essenziell.

… und befragen!

Evaluierung der Wohnzufriedenheit

Denn an welchen Parametern ist ein Planungserfolg messbar, wenn nicht am Wohlbefinden und an der Gesundheit der Benutzer? Und wer wüsste es besser als diese selbst? Bewohner- und Nutzerbefragungen gibt es schon seit den 60er- und 70er-Jahren. Seit den 90er-Jahren konzentrieren sich sogenannte Post-Occupancy Evaluations (POE) auf Büro- und Verwaltungsgebäude. Warum? Zum einen erkannte man, dass diese Gebäude oft sehr viel mehr Energie verbrauchten als zuvor berechnet. Zum anderen häuften sich Klagen über schlechtes Innenraumklima.

Für Marilyne Andersen sind die Erkenntnisse aus diesen Befragungen wegweisend für ihre weitere Arbeit: „Es ist ungeheuer wichtig, die Akzeptanz des Innenraumklimas in Gebäuden zu untersuchen. Wenn die Leute mit den Bedingungen unzufrieden sind, neigen sie dazu, in die Steuerung einzugreifen oder das gewünschte Behaglichkeitsniveau mit behelfsmäßigen Lösungen herzustellen.“ Die Folgen: Neben explodierenden Energiekosten wird die gewünschte Verbesserung oft nicht einmal erzielt.

Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis

Die Erkenntnisse von Forschungsinstituten wie LIPID, aber auch Studien wie das Healthy Homes Barometer sind ein wichtiges Hilfsmittel, um den Faktor Tageslicht in die alltägliche Gebäudeplanung zu integrieren. „Ich hoffe sehr, dass das, woran wir heute arbeiten, in Zukunft in der Gebäudeplanung zum Alltag gehören wird“, so Marilyne Andersen.

Renommierte Architekten wie Steven Holl, Preisträger des Daylight Award 2016, erschaffen unter Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse schon heute zukunftsweisende architektonische Konzepte, in denen das Tageslicht eine der Hauptrollen spielt.

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Wohlbefinden quantitativ erfasst:
Das Housing Well-Being Inventory

Das von der namhaften Humboldt-Universität in Berlin entwickelte Konzept basiert auf der Grundannahme, dass Wohlbefinden mehr umfasst als nur die bekannten Parameter wie Temperatur, Lichteinfall und Luftqualität. Um dieses „Mehr“ herauszufinden, wurde eine Vielzahl von Interviews mit Studenten, aber auch mit Testfamilien wie z. B. den Bewohnern den VELUX LichtAktiv Hauses  in Hamburg durchgeführt. Aus den Antworten wurden zehn Dimensionen des Wohn-Wohlfühlens konsolidiert, bei denen der Faktor Tageslicht auf dem vierten Platz landete, gefolgt von der Schlafqualität. Die Wohnungsgröße lag abgeschlagen auf dem zehnten Platz, in Führung ging eindeutig die emotionale Bindung, unmittelbar gefolgt vom Innenraumklima.

1.
Affektives
Well-Being


  • Emotionale Bindung
  • Innenraumklima
  • Nachbarschaftsbeziehungen
  • Tageslicht
  • Schlafqualität
2.
Funktionales
Well-Being


  • Sanierungsstatus
  • Energieverbrauch
  • Feuchtigkeit
  • Heizungssteuerung
3.
Raum für
Well-Being


  • Wohnungsgröße

Fühlen – planen – bauen – verstehen

Fühlen - Planen - Bauen - Verstehen
Ein Blick in die ideale Bauzukunft, die zum Teil schon heute begonnen hat: Architekten und Planer, die wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wohngesundheit und -zufriedenheit schon in der Planungsphase berücksichtigen und Gebäude erschaffen, die die Bedürfnisse der Menschen erfüllen. Uns ist es ein Anliegen, mit unserer Tageslicht-Kompetenz und unseren Produkten für lichtdurchflutetes Wohnen einen Beitrag dazu leisten zu können.

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