Haus am Moor: Tageslicht Evaluierung

Haus am Moor: Tageslicht Evaluierung

Optimale Tageslichtversorgung im Haus am Moor

Das Moor im Ortsteil Föhren in Krumbach (Bregenzerwald) wurde in den 1970er Jahren größtenteils trockengelegt. Übrig blieb am Waldrand eine feuchte Streuwiese, die es dem Großvater des Bauherrn wert war, in Bauland umzuwidmen. Es war schattiger dort, als an den besseren Grundstücken und der Bauer hatte seine Prioritäten.

Haus am Moor/ Foto: Jörg SeilerDer Neubau bildet heute den Abschluss zum Siedlungsgebiet. Langgestreckt von Süd nach Nord – wie ein liegender Stamm eineinhalb Stockwerke hoch, mit durchlaufendem Satteldach. Architekt Bernardo Bader schafft die Synthese scheinbar widersprüchlicher Qualitäten wie Ökologie, Energieeffizienz, Tageslichtversorgung, Naturnähe und Außenraumanbindung. Standort- und nutzungssensitive Architektur – also die Qualität der Planung – ist der Schlüssel dazu.

 

 

 

Licht-Evaluierung künstlicher Himmel/ Donau Universität KremsKlares Ziel war es, dass sowohl die Wohn als auch die Arbeitsbereiche selbst an trüben Tagen ausreichend mit Tageslicht versorgt sind. Die Tageslicht-Evaluierung erfolgte auf zwei Arten. Anhand einer Modellstudie im Lichtlabor der Donau-Universität Krems und mittels Software „VELUX Daylight Visualizer“.

 

 

 

Die Belichtung des Dachgeschoßes und teilweise auch des Erdgeschoßes erfolgte über einige optimal platzierte Dachflächenfenster. Mit einer scheinbaren Leichtigkeit und gekonnt hat Bernardo Bader diese Dachflächenfenster wie Pixel über die Dachfläche gestreut – dabei nicht nur formale Ansprüche erfüllt sondern die Belichtung von oben gezielt eingesetzt.

Studio/ Foto: Jörg Seiler   Studio/ Foto: Jörg Seiler   Badezimmer/ Foto: Jörg Seiler

Licht von oben – Zenitlicht – bietet an diffusen Tagen 3 x soviel Licht wie Horizontlicht durch vertikale Verglasungen. Das perfekte Zusammenspiel zwischen den vertikalen Verglasungen mit den bewusst gesetzten Blickbeziehungen und den Belichtungsöffnungen durch das Dach – in Verbindung mit der warmen Oberfläche der Weißtannenverkleidung – ergibt faszinierende Lichtstimmungen.

Tageslicht- Quotient mittels Daylight Visualizer

So konnte im Wohnzimmer ein Tageslicht- Quotient von durchschnittlich 4,9 % erzielt werden. Die Küche erreicht einen durchschnittlichen Tageslicht-Quotienten von 3,5 %. Die Dachflächenfenster in der Galerie versorgen auch noch das Studio im Erdgeschoß mit natürlichem Licht, das einen durchschnittlichen Tageslicht-Quotienten von 3,5 % aufweist.

Visualisierung mittels Daylight Visualizer           Realität/ Foto: Jörg Seiler

Klingt recht bescheiden, ist aber in der Tat sehr hoch: die DIN 5034-4 empfiehlt einen Tageslicht-Quotienten von mindestens 0,95 % in der Raummitte.

 

Zusammenspiel von Innen- und Außenraum
Einbindung in die Umgebung

Entgegen dem räumlichen Luxus der Erdgeschoßzone – wo das öffentliche Leben der Familie stattfindet – sind im ersten Stock die Zimmer kompakt angeordnet. Die oberen privaten Räume – angebunden mit einer Treppe von eigener Raumqualität – sind durchgängig in geschliffenem Tannenholz einfacher und noch feiner ausgebaut.
Belichtet werden diese wechselnd 2 seitig – von Osten und Westen – was den Tagesverlauf in den Räumen unter dem Dach verstärkt spürbar macht.

Text: Martina Pfeifer Steiner

PDF – Projektdokumentation

Fotos von Jörg Seiler

Architekt: Arch. DI Bernardo Bader, Dornbirn

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