Haus am Venusgarten: Konzept und Architektur

Haus am Venusgarten: Konzept und Architektur

Haus am Venusgarten: Sanierung kombiniert mit moderem Ausbau

Der kleine Ort Willendorf in der Wachau erlangte Berühmtheit durch die Venus von Willendorf, den bedeutendsten Fund des Jungpaläolithikums auf österreichischem Boden. Die 25.000 Jahre vor Christus entstandene Figur wurde 1908 in unmittelbarer Nähe des Hauses Schauer gefunden; daher auch der Name „Venusgarten“. Bekannt ist Willendorf auch für den Obstbau, besonders für die Wachauer Marillen.

 

 

Modellstudie des Haus am Venusgarten

„Haus am Haus“

Sanierung und Adaptierung des bestehenden Bauernhauses im Ortskern und Ergänzung durch eine zeitgemäße Aufstockung statt Zersiedelung eines Obstgartens. DI Volker Dienst und Arch. Christoph Feldbacher haben mit Ihrem Entwurf perfekt auf die schwierigen örtlichen Gegebenheiten reagiert. Das Bauen im engen, historischen Bestand führte zu einem „Haus am Haus“-Konzept.

 

 

Holzbaupreis 2014

Holzbaupreis 2014

Am 19. Mai 2014 wurde dieses außergewöhnliche Projekt in der Wachau mit dem NÖ Holzbaupreis 2014 ausgezeichnet. Die präzise und integrale Planung und das visionäre Denken des Bauherren haben sich gelohnt!

 

Die Ausgangssituation

Ein junger Obstbauer aus Willendorf in der Wachau möchte für sich einen modernen, loftartigen Wohnraum schaffen. Er beschließt,  statt den als Bauland gewidmeten Marillengarten zu verbauen, einen zukunftsfähigen Wohnraum in Form einer Aufstockung des alten, im Ortskern bestehenden, Bauernhauses seiner Mutter zu realisieren.  Mit Blick auf die Obstkulturen des somit erhaltenen „Venusgartens“ und in das nach Norden verlaufende Donautal.

Alter Hausbestand vom Haus am Venusgarten   nach Ausbau/ Foto: Jörg Seiler

Das Haus am Venusgarten ist als Beitrag zur Reduzierung der CO² Emissionen sowie zur nachhaltigen Neunutzung bestehender (ländlicher) Siedlungskerne zu sehen.

Architektonisches Konzept

DI Volker Dienst und Arch. Christoph Feldbacher haben mit Ihrem Entwurf perfekt auf die schwierigen örtlichen Gegebenheiten reagiert. Das Bauen im engen, historischen Bestand führte zu einem „Haus am Haus“-Konzept.

Für den Entwurf waren der Ausblick auf den Venusgarten sowie der Umgang mit Sonnenlicht prägende Kriterien.

Dabei war die Ausgangssituation alles andere als einfach: die Südseite des Gebäudes ist straßenseitig orientiert, eng und dicht verbaut. Der freie Blick zum Venusgarten und zur Donau Richtung Norden; im Westen an ein mächtiges Nachbargebäude angebaut.

Im Rahmen der Sanierung wurde im bestehenden unteren Geschoss eine eigenständige, barrierefreie Einliegerwohnung  geschaffen, die der Mutter des Bauherrn ein würdiges und altersgerechtes Wohnen ermöglicht. Mehrgenerationenwohnen unter einem (neuen) Dach sowie ein Nutzungsmix aus Wohngebäude und Betriebsgebäude für den landwirtschaftlichen Betrieb (nördlicher Zubauten und Erweiterung in Sichtbeton im Kellergeschoss) zeichnen das Projekt Venusgarten aus.

 

Active House

 

Mit zeitgemäßer Formensprache fügt sich der Baukörper harmonisch in das gewachsene Ortsbild ein.
Das Projekt Venusgarten stellt ein Musterbeispiel eines Active Houses dar. Besonders vorbildlich hier, dass Grünland geschont und eine historische Bausubstanz auf zeitgemäßen Standard gebracht wird.

Foto:Jörg Seiler

Der längliche Neubau ist Richtung Norden, zum Donautal hin durch eine Glasfront und großzügige Schiebetürelemente komplett geöffnet. Damit nimmt er Bezug auf die naturräumlichen Gegebenheiten und ermöglicht Ausblicke auf den Obstgarten und das parallel verlaufende Donautal. Nach Süden zur Dorfstraße hin geschlossen, ermöglicht die strukturierte Holzlamellenfassade aus massiver Weißtanne Privatsphäre und Beschattung. Das schieferartige Dach aus kleinteiligen Faserzementplatten zieht sich im Osten über die Wand und wird nur durch die gepixelte Grafik der Venus von Willendorf aufgelockert, die erst aus der Ferne erkannt werden kann.

 

Durch das Einschneiden eines hofartigen Balkonraumes im Osten mit Kräuterbeet werden Bezüge zum Außenraum (z.B. nach Südosten zur Burg Aggstein) aber auch Durchblicke möglich. Das loftartige Einraumkonzept mit einer erhöhten Schlafgalerie, unter der die Sanitär- und Nebenräume integriert wurden, nimmt die Großzügigkeit des Donautales auf.
Der durchlaufende Giebel gibt – einem Fernrohr gleich –  Orientierung.
DI Volker Dienst und Arch. Christoph Feldbacher haben in enger Zusammenarbeit mit einem sehr bewussten und engagierten Bauherrn mit dem Projekt Venusgarten ein Vorzeigeprojekt geschaffen.

Vorbildlich in vielerlei Hinsicht: wertvolles Grünland konnte erhalten werden und ein in die Jahre gekommenes Haus erstrahlt wieder in neuem Glanz. Beispielgebend auch die Architektur: außen trotz zeitgemäßer Formensprache sensibel in den gewachsenen Ortskern eingefügt; innen ein architektonisches Kleinod, bei dem Wände, Decken und Möbel zu einer harmonischen Einheit verschmelzen. Dieses richtungsweisende Konzept soll Impuls für einen weiteren Aufwertungsprozess von Orts- und Stadtkernen geben – nicht nur in Willendorf.

Fotos von Jörg Seiler

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