So wirken UV-Strahlen in Innenräumen

So wirken UV-Strahlen in Innenräumen

Sie nützen und sich schützen: Der richtige Umgang mit UV-Strahlen

UV Strahlung hat schon lange keinen guten Ruf mehr und vor allem im Sommer wird immer wieder vor ihr gewarnt. Wir haben mit dem Lichtforscher Gregor Radinger von der Donau-Universität Krems über die Wirkung von UV-Strahlen gesprochen und versucht zu klären, ob diese auch für den Menschen lebenswichtig sind.

Sonnencreme schützt Kinder vor UV-StrahlungDer gesunde Umgang mit UV-Strahlung

Die Bilanz über die positive Wirkung von UV.Strahlen ist zwiespältig. „UV-Strahlen können im menschlichen Körper gravierende Prozesse auslösen – von Hautrötungen bis hin zu Hautkrebs. Hier spricht man von der photopathologischen Strahlenwirkung.“, so Radinger. Positiv sei hingegen deren photophysikalische Wirkung: So regen UV-Strahlen die Produktion des Previtamin-D3 an. Gemeinsam mit Phosphor und Calcium sorgt dieses Vitamin für den Knochenaufbau und schützt vor Krankheiten wie Osteoporose oder Multipler Sklerose. Die ausreichende UV-Strahlendosis zur Bildung von Vitamin D3 wird vom Gesundheitsministerium mit fünf bis 30 Minuten Sonnenlicht auf Hände, Beine und Gesicht, zwei- bis dreimal pro Woche definiert.  

 

UV-Strahlen, Dachfenster

Quelle: VOFuture Building Solutions, Modul 7, Arch. DI Gregor Radinger, MSc

Es sei wichtig zu verstehen, dass die Strahlungsintensität von Tageslicht in drei Bereiche unterteilt wird. Der ultraviolette (UV) Bereich spielt sich zwischen 280 und 380 nm ab. Die relevanten Spektralbereiche für Vitamin D, Hautalterung, Hautadaption etc. liegen im kurzwelligen UV-Bereich (bei etwa 300-310 nm) und können Verglasungen nicht passieren. Langwelligeres UV-Licht (näher am sichtbaren Bereich) kann manche Glasarten durchdringen (z. B. am Ausbleichen der Einrichtung erkennbar und durch Sonnenschutz vermeidbar).

Die Versorgung mit UV-Strahlen sei wichtig für den menschlichen Körper, jedoch verbringen Durchschnittseuropäer und -europäerinnen heute 92 % ihrer Zeit in geschlossenen Räumen (Gebäuden, Autos, etc.). Den einen innovativen UV-transparenten Baustoff gebe es noch nicht, so der Lichtexperte. Aber nicht nur die Versorgung mit UV-Strahlen spreche für den ausreichenden Genuss des natürlichen Lichts. Radinger ergänzt: „Es ist auch einzigartig in seinen visuellen Qualitäten. Es gibt nichts Besseres als Tageslicht!“

Die Wirkung von Tageslicht im Innenraum

  • Um ausreichend mit Tageslicht versorgt zu werden, sei es von Bedeutung zu verstehen, wie UV-Strahlung in Innenräumen wirkt. Der Lichtexperte fasst dies wie folgt zusammen:
    • UV-Strahlung wird durch das Glas gefiltert, weder ein schädlicher Sonnenbrand noch die positive Previtamin-D3-Produktion sind daher im Innenraum möglich.
    • Das größte Spektrum des Tageslichts spielt sich im sichtbaren Bereich zwischen 380 und 780 nm ab. Dieses Licht kann von unserem Auge größtenteils – auch hinter Glas – wahrgenommen werden.
    • Vor allem blaues Licht am Morgen unterdrückt die Produktion von Melatonin, einem Hormon, das für unseren Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich ist.

UV-Strahlen, Dachfenster

So nutzen Sie Tageslicht in Innenräumen

Ob wir es nun wollen oder nicht: Wir verbringen einen Großteil unserer Zeit in Gebäuden. Die positive Wirkung des Tageslichts und der UV-Strahlen ist somit nur mehr sehr eingeschränkt zu nützen. Wird die Bedeutung von Tageslicht für den Menschen jedoch bereits beim Bau von Wohnhäusern beachtet, so können erforderliche architektonische Maßnahmen bereits von Beginn an vorgesehen werden. Laut Radinger sind unter anderem folgende Maßnahmen in Erwägung zu ziehen:

  • Einbau von Dachfenstern: Durch den Einbau von Dachfenstern können die Bewohner und Bewohnerinnen mit nur einem Handgriff nach Öffnen der Fenster an die tägliche Sonnendosis kommen.
  • Einbindung ausreichend großer und sonniger Außenräume in Planungsphase
  • Attraktive und leicht zugängliche Außenräume für Wohnungen und Wohnhäuser

Werden diese Maßnahmen bereits bei der Planung beachtet, so kann die positive Wirkung von UV-Strahlen auch in Innenräumen genutzt werden.

Redakteur: Gregor Radinger ist Leiter des Zentrums für Lichtplanung an der Donau-Universität Krems

 

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