Die innere Uhr

Die innere Uhr

Die innere Uhr und ihre Zeitgeber

Wer oder was hat uns denn heute Morgen aufgeweckt? Der erste Sonnenstrahl? Die innere Uhr? Nein? Das passiert leider allzu selten! Meistens ist es doch der Wecker, der uns unsanft aus dem Schlaf reißt. Und was wir schon lange vermutet haben, ist mittlerweile wissenschaftlich belegt: Der gnadenlose Wecker da draußen kümmert sich nicht im Geringsten um unsere Uhr da drinnen!

 

Externe Faktoren zwingen uns den Rhythmus auf! Unsere Lebensweise läuft tatsächlich immer häufiger unserer „biologischen Uhr“ zuwider. Der menschliche Organismus hat seinen ganz eigenen Rhythmus mit unterschiedlichen Periodenlängen: Herzschlag, Atmung, Schlaf, Zellerneuerung. Alles braucht seine Zeit. Aber wer hat die schon und vor allem: Wer hört auch mal auf seine innere Zeit?

In einem hat unser Wecker mit seiner 24-Stunden-Taktung aber Recht: Das entspricht ziemlich genau dem menschlichen Schlaf-Wach-Zyklus. Man spricht auch vom circadianen Rhythmus (lateinisch circa „ringsum“, dies „Tag“). Die innere uhrDer menschliche Organismus passt sich dem Tag-Nacht-Schema an und stellt Wachheit, Stimmung, Blutdruck usw. darauf ein. Die Dämmerung setzt ein, wir beginnen zu gähnen. Die Sonne geht auf und unser Körper signalisiert: „Zeit zum Wachwerden!“ Diesem natürlichen Takt können wir nie vollständig entkommen – egal ob er zu unserem aktuellen Lebensstil passt oder nicht!

 

 

„Few of us appreciate this internal world, seduced by an apparent freedom to sleep, work, eat, drink, or travel when we want. But this freedom is an illusion; in reality we are not free to act independently of the biological order that the circadian clock imparts.“ (Prof. Russell Foster, Oxford University)

Ohne Signale von der Außenwelt würde unser innerer Rhythmus stur in etwa dem 24-Stunden-Zyklus folgen. Externe Reize können uns da als Zeitgeber hilfreich sein: Sie bringen uns dazu, unsere innere Uhr zu justieren. Man spricht von einer „Synchronisation“. Der wichtigste Zeitgeber ist dabei das Licht. Auch die Umgebungstemperatur spielt eine Rolle, sowie die Geräuschkulisse oder eben „soziale Zeitgeber“ wie der altbekannte Wecker.

Wir Menschen leben heute häufig im Gegensatz zu unserem inneren Rhythmus. Das liegt einerseits an den Erfordernissen der Arbeitswelt (Schichtarbeit, etc.), aber auch an unserem Freizeitverhalten. Fazit: Wir verbringen deutlich weniger Zeit im Tageslicht! Tagsüber arbeiten wir bei künstlichem Licht im Büro und wundern uns, dass wir bei matten 500 Lux nie richtig munter werden. Im Vergleich dazu: Selbst ein bedeckter Himmel im Freien hat 8000 Lux.

Elektrisches Licht und die Entwicklung der „Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“ haben uns zunehmend von den Rhythmen der Natur isoliert. Während Generationen zuvor abhängig vom Tageslicht ihren Alltag bestritten, leben wir heute in einer Art Unabhängigkeit davon und fühlen uns sogar befreit vom Tag-Nacht Rhythmus. Auch, wenn wir das in Wahrheit gar nicht sind.

Prof.RussellVielleicht findet sich ja nach der Arbeit noch Gelegenheit, zumindest die letzten Sonnenstrahlen zu genießen? Und während wir mit dem Hund spazieren gehen, kann sich unsere innere Uhr in aller Ruhe synchronisieren – mit dem Zeitgeber Tageslicht.

„Yet we detach ourselves from the environment by forcing our nights into days using electric light, and isolate ourselves in buildings that shield us from natural light.“ (Prof. Russell Foster, Oxford University)

 

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