Checkliste Belichtung

Checkliste Belichtung

Wie lässt sich Tageslichtplanung in die Architektur integrieren?

Bald werden die Tage wieder kürzer und die alljährliche Winterdepression schleicht sich in unsere Gemüter. Viele Menschen leiden in den lichtarmen Monaten unter einer gedrückten Stimmung. Aber woher kommt das eigentlich? Unsere urzeitlichen Vorfahren verbrachten die meiste Zeit ihres Lebens im Freien. Sie starteten den Tag mit dem ersten Lichtstrahl und beendeten diesen mit der untergehenden Sonne.

Mit dem elektrischen Licht konnten wir uns jedoch von dem natürlichen Rhythmus „befreien“ und die moderne Konsumgesellschaft verbringt mittlerweile 92% ihrer Zeit in geschlossenen Räumen. Unsere innere Uhr kommt dadurch aus ihrem Gleichgewicht und der Mangel an Tageslicht führt zusätzlich zu Konzentrationsschwächen, Leistungsabfall, Depression, Schlafproblemen und Osteoporose. Aber wie kann man mit Architektur dieser Tendenz entgegen steuern? Worauf ist bei der Planung zu achten?

1. Auf die Qualität achten

Strahlungsumfang - TageslichtplanungLicht ist nicht gleich Licht. Das Tageslicht der Sonne deckt das gesamte Lichtspektrum ab. Das tatsächlich sichtbare Licht umfasst nur einen Bereich von 380 bis 780 Nanometer, dies ist besonders dann sichtbar, wenn die Sonnenstrahlen durch ein Glasprisma gebrochen werden. Künstliche Lichtquellen decken nur einen Teil dieses Lichtspektrums ab, wodurch besonders die Anteile fehlen, welche die Hormonsteuerung des Menschen regeln. Es ist daher essentiell wichtig, dass gezielt Fenster oder Glasflächen positioniert werden, um eine ausreichende Versorgung mit natürlichem Licht zu gewährleisten.

2. Tick Tack

Die innere Uhr - TageslichtplanungDer circadiane Rhythmus des Menschen, besser bekannt als die „Innere Uhr“ richtet sich nach der Farbe des Lichtes bzw. seiner Farbtemperatur und steuert diverse Vorgänge im Körper, wie etwa den Hormonhaushalt oder auch den Schlafrhythmus. Durch die ständige Bestrahlung mit Kunstlicht kann der Rhythmus gestört werden. Das passiert, wenn das durch die Fenster einfallende Licht in der Raumtiefe manchmal nicht ausreicht sowie bei fensterlose Räume. Zum einem bleibt uns der Bezug zur Außenwelt verwehrt und wir sind zum anderen vom Kunstlicht abhängig. Das ist nicht nur kostspielig, sondern kannt sich auch massiv auf die Leistungsfähigkeit und die Stimmung niederschlagen.

3. Gewusst wie

Foto: Adam Mork - Tageslichtplanung

Foto: Adam Mork

An sonnigen Tagen werden unserer Innenräume, im Idealfall über den ganzen Tag verteilt, von direkt einstrahlendem Sonnenlicht durchflutet. Dieses direkte Licht ist mindestens genauso wichtig für unseren Gemütszustand! Durch die Farb- und Intesitätsänderung des Lichtes, können die unterschiedlichsten Atmosphären wahrgenommen werden. An bedeckten Tagen hingegen sorgt Diffuslicht für eine gleichmäßige Belichtung aus allen 4 Himmelsrichtungen. Vergleicht man Licht von oben (zB über Dachfenster) mit Licht von der Seite, ist das Zenitlicht drei Mal so intensiv wie das Horizontlicht.

 

4. N-icht O-hne S-eife W-aschen

Tageslichtplanung

Foto: Adam Mork

Entscheidend für die Lebensqualität ist eine durchgehende Versorgung mit Licht zu jeder Tages- oder Jahreszeit. Daher sollte unbedingt darauf geachtet werden, Fenster entsprechend dem Verlauf der Sonne anzuordnen. Auch die ideale Nutzung der Räume ist von der Orientierung abhängig und unterliegt teilweise den individuellen Bedürfnissen. Dadurch können die unterschiedlichsten Lichtstimmungen wahrgenommen werden, da sich die Intensität und die Farbe des Lichtes ändern. Die alten Meister richteten ihre Ateliers gegen Norden aus, um ein möglichst gleichmäßiges Licht zu erhalten, welches die Farben nicht verfälscht. Das bläuliche Morgenlicht – Ostlicht – wird als besonders anregend empfunden und senkt den Melatoninspiegel, welcher für die Müdigkeit verantwortlich ist, ab. Gegen Mittag liefert das Südlicht die größte Helligkeit. Und Abends ist das Westlicht für die warme Färbung des Lichtes verantwortlich und macht uns schläfrig. Im Idealfall kommt man im Laufe des Tages in den Genuss jeder Lichtstimmung, durch eine ausbalancierte Verteilung unterschiedlicher Belichtungsöffnungen.

5. Energieeffizienz versus Fensteranteil

Sunlighthouse - Tageslichtplanung

Infografik: Sunlighthouse

Auf der einen Seite stehen die Bauphysiker, die das Gebäude möglichst energieeffizient planen möchten und auf der anderen Seite die Architekten, welche vor allem auf Ausblick und Licht plädieren. Wichtig dabei ist eine gesamtheitliche Betrachtung. Dass sich diese unterschiedlichen Qualitätsmerkmale eines Gebäudes nicht ausschließen, ist zum Beispiel anhand des VELUX Sunlighthouse in Pressbaum zu sehen, welches ein Active House ist. Bei diesem zukunftsweisenden Hauskonzept werden der Energieverbrauch eines Gebäudes genauso wie dessen Bezug zur Umwelt und ein gesundes Raumklima gleichwertig gegenübergestellt.

 

6. Ist alles böse was künstlich ist?

Nein, allerdings sollte man auf eine ausgewogene Balance zwischen Kunstlicht und natürlichem Licht achten. Eine Unterstützung durch eine Kunstlichtplanung wird auch von Experten empfohlen. Ein Neubau weist jedoch erst dann eine perfekte und vollständige Planung auf, wenn tagsüber kein Kunstlicht notwendig ist. Bei Renovierungen und nachträglichen Veränderungen wird es schon etwas komplizierter. Eine vorausgehende, gewissenhafte Tageslichtplanung ist daher unumgänglich.

7. Freiräume schaffen

Außenraum Velux - TageslichtplanungDer Körper braucht UV Strahlen, da sie für eine Vielzahl an physiologischen Vorgängen verantwortlich sind, allerdings werden diese von den meisten Glasscheiben gefiltert. Die Planung von qualitativ hochwertigen Freiräumen im Außenbereich unterstützt die Versorgung mit Tageslicht und erhöht die Lebensqualität erheblich.

Bei einer perfekten Planung geht es – wie auch sonst im Leben – vor allem darum eine ausgewogene Balance zwischen Effizienz und Wohlbefinden!

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