„light is a drug“

„light is a drug“

Kein Forscher hat weltweit umfassendere Untersuchungen angestellt, um die Auswirkungen des natürlichen Lichts auf die physische wie psychische Leistungsfähigkeit zu erforschen, wie die Architektin Lisa Heschong. Gemeinsam mit ihrem Büro, der Heschong Mahone Group, hat sie das Umfeld von Schulen, Einkaufszentren und Büros in den USA untersucht und dabei aufgezeigt, wie Tageslicht die Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen kann.

Tageslicht - leerer Konferenzraum

In den 60er und 70er Jahren herrschte nicht nur in Kalifornien, dem Hauptsitz der Heschong Mahone Group die Meinung, dass in Schulgebäuden Fenster die Schüler ablenken, den Energieaufwand sowie Wartungs- bzw. Reparaturkosten erhöhen und ein Sicherheitsrisiko darstellen würden. Das hatte zur Folge, dass in kalifornischen Schulen die Fenster „geschlossen“  beziehungsweise neue Schulen völlig ohne Fenster geplant wurden. Auch in Österreich wurden bis vor wenigen Jahren Seminarräume so geplant, dass eine Aussicht für die Nutzer dieser Räume bewusst vermieden wurde.

Laut Heschongs Studie seien die Faktoren Fensterposition, Ausblick und Tageslichtmenge essenzielle Faktoren für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Durch einen Zimmertausch stellte sich heraus, dass sich die Leistungen der Angestellten und der Schüler – und somit auch ihre Noten – in hellen Räumen um zehn bis 20 Prozent verbesserten. Zudem gehen Krankenstände nachweislich zurück, denn Tageslicht verringert die Anfälligkeit für Kopfschmerzen, schützt vor Überanstrengung der Augen und mitunter sogar vor Übelkeit und Depressionen.

Diese Erkenntnis bedeutet allerdings nicht, Gebäude ausschließlich aus Glas zu bauen. Neben Überhitzung kann vor allem die Blendung negative Auswirkungen haben. Bei Testpersonen in Büros, die schutzlos dem grellen Sonnenlicht ausgesetzt waren, betrug die Leistung um bis zu 21 % weniger als dort, wo sich der Lichteinfall individuell regulieren ließ. Für die Entfaltung der vollen Leistungsfähigkeit ist also die individuelle Regulierbarkeit des Tageslichtes eine unverzichtbare Notwendigkeit.

Neben der Leistungssteigerung trägt natürliches Licht auch dazu bei, Energie einzusparen, da weniger Kunstlicht zugeschaltet werden muss. In großen Gebäuden mit vielen Aufenthalts- und Nebenräumen ist dies durchaus auch ein Kostenfaktor. Gerade Licht von oben ist bei Gebäuden wie Einkaufszentren, aber auch Schulen, Krankenhäusern und in Büros eine ideale Lösung, um viel Tageslicht blendfrei tief ins Gebäudeinnere zu lenken und Räume gleichmäßig zu belichten.

Tageslicht in Büro-Räumen
Foto: Patricia Weisskirchner

Auch bei kleineren Räumen punktet das sogenannte Zenitlicht, wie das Beispiel eines Architekturbüros in Wr. Neustadt eindrucksvoll beweist. Der Architekt Karl Scheibenreif hat sein bestehendes Bürogebäude durch einen gartenseitigen Zubau samt Terrasse mit Hilfe von Flachdachfenster ebenfalls zum Himmel hin geöffnet. Darin finden sich ein großer Besprechungsraum, mit direktem Bezug zum Garten und ein Büroraum mit angeschlossener Küche. Das von oben einfallende Licht wird durch die Wände und Möbel in seiner Wirkung zusätzlich hervorgehoben. Die Flachdachfenster sorgen zu allen Jahreszeiten – sowohl bei hoch- als auch tiefstehender Sonne für eine ausbalancierte Belichtungssituation.

Tageslicht Sitzungsraum
Foto: Patricia Weisskirchner
Die Beispiele zeigen uns nicht nur, dass die positive Wirkung natürlichen Lichts auf viele Abläufe in unserem Körper und unser Wohlbefinden unumstritten ist, sondern vereint zugleich unsere Philosophie mit den Ergebnissen der Studien und dem Ansatz vieler Bauschaffender und lässt sich mit Lisa Heschongs Worten auf den Punkt bringen: „Licht ist eine Droge“.

 

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