Wenn Kindern beim Lernen ein Licht aufgeht …

Wenn Kindern beim Lernen ein Licht aufgeht …

Wenn Kindern beim Lernen ein Licht aufgeht

… dann liegt das nicht immer nur an den Lehrern. Längst bestätigen Studien die positiven Auswirkungen von Tageslicht auf den Lernerfolg. Das liegt vor allem daran, dass Tageslicht das Wohlbefinden steigert und die Freude am Lernen erhöht – egal ob in der Schule, in der Universität oder in Weiterbildungseinrichtungen. Eine helle und freundliche Umgebung motiviert die Lernenden, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen, und erhöht die Konzentration und Leistungsfähigkeit.

 

Signifikanter Zusammenhang zwischen Tageslicht und Lernerfolg

Die Heshong Mehone Group verglich in ihrer Studie 21.000 Grundschüler in den USA in Klassenräumen mit viel bzw. wenig Tageslicht. Nach einem Jahr schnitten die Schüler aus den Klassenzimmern mit viel Tageslicht um 20 % besser bei Lese- und um 26 % besser bei Mathematik-Tests ab.

Kind mit BuchZufall? Keineswegs. Die Analyse der Fensterflächen lieferte ganz ähnliche Ergebnisse. Kinder in Klassenzimmern mit den größten Fensterflächen erzielten um 15 % schnellere Fortschritte in Mathematik und um 23 % beim Lesen. Und Schüler, die ein Klassenzimmer mit gut gestaltetem Oberlicht hatten, eines, das das Tageslicht diffus im ganzen Raum verteilte und bei dem die Lehrer die Möglichkeit hatten, die Menge des Tageslichtes zu steuern, erzielten ebenfalls um 19 bis 20 % schnellere Fortschritte als jene in Klassenzimmern ohne solch ein Oberlicht.

Der Einfluss des Lichtes wirkte sich dabei deutlich stärker aus als demografische Variablen wie ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht oder Sozialstatus der Kinder.

 

Der gesundheitliche Aspekt von Tageslicht

Natürlich wollen wir alle, dass unsere Kinder gute Lernerfolge erzielen. Noch viel wichtiger ist aber, dass unsere Kinder auch möglichst gesund aufwachsen. So gesehen schlägt Tageslicht die sprichwörtlichen zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn die positiven Auswirkungen auf das Lernen resultieren aus den Prozessen, die natürliches Tageslicht im Köper auslöst. Natürliches Licht reguliert nämlich wichtige Körperfunktionen wie Kreislauf und Stoffwechsel. Es beeinflusst beispielsweise auch die körpereigenen Hormone Melatonin und Kortisol, die in Abhängigkeit vom Lichteinfall in das Auge produziert werden und maßgeblich für die Regulierung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich sind. Ein Mangel an Tageslicht stört dieses Hormonsystem, wodurch Konzentrationsfähigkeit und Handlungsbereitschaft der Kinder sinken, was auch das Sozialverhalten der Kinder beeinträchtigt, wie schwedische Forscher herausfanden.

Kinder machen GrimassenTageslicht kann aber noch mehr – nämlich Kurzsichtigkeit bei Kindern vorbeugen, wie das Australia Research Council herausfand. Es verglich Kinder aus Singapur mit gleichaltrigen Schülern aus Australien – mit dem Ergebnis, dass nur 3,3 % der australischen Kinder eine Brille brauchten, bei den Schülern aus Singapur aber 29 %. Laut den Forschern liegt dies daran, dass australische Kinder mehr Zeit an der Sonne verbringen. Das Risiko für Kurzsichtigkeit, so die Studie, verringert sich also erheblich, wenn sich ein Kind täglich zwei bis drei Stunden im Tageslicht an der frischen Luft aufhält. Auch das unterstreicht die Bedeutung von Tageslicht in Gebäuden.

 

Einleuchtendes für die ideale Lernumgebung

Es kommt nicht nur darauf an, dass ausreichend Tageslicht zur Verfügung steht. Es kommt auch auf das Wie an. Pädagogen befürchten oft, dass großzügige Fensterflächen mit ihrem Ausblick zu viel Ablenkung bieten könnten. Laut den Studien der Heschong Mahone Group ist aber genau das Gegenteil der Fall. Ein freier Blick in die Umgebung – auf Vegetation, menschliche Aktivitäten und weit entfernte Objekte – stellt einen für das Gehirn wichtigen Bezug nach außen her und regt das Denkvermögen an. Das unterstützt bessere Ergebnisse beim kindlichen Lernen. Besonders positiv kann sich Licht von oben auswirken. Das so genannte Zenit-Licht bietet dreimal so viel Tageslicht wie Licht von der Seite und damit zu allen Jahreszeiten – sowohl bei hoch- als auch tiefstehender Sonne – eine ausbalancierte Belichtungssituation. So die Erkenntnisse von Studien der Technischen Universität Dänemark („Indoor Environment and Learning in Schools“, International Centre for Indoor Environment and Energy ICIEE), die beispielsweise bei Schulgebäuden in Endrup oder Langebjerg umgesetzt wurden.

 

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All diese Erkenntnisse kann man sich auch für zuhause zunutze machen, um Kinderzimmer nicht nur kindgerecht, sondern auch lerngerecht und vor allem lichtgerecht zu gestalten.

 

Tageslicht in Österreich, Kindergarten Neufeldt: Fotos von Kurt Kuball, Architektur von SOLID architecture

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