Vom Stall zum modernen Rückzugsort

Vom Stall zum modernen Rückzugsort

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Das Gewinnerprojekt des 11. Vorarlberger Holzbaupreises 2015 in der Kategorie „Sanierung“ hat auch uns überzeugt: einem über hundert Jahre alten Stallgebäude wurde unter Beibehaltung von Form, Charakter und Erscheinungsbild neues Leben eingehaucht. Sowohl Alt und Neu als auch Innen und Außen verschmelzen miteinander und erzeugen eine einmalige Wohnatmosphäre. Chapeau!

Stallgebäude innen vor der Sanierung

„Dieses Projekt ist ein wundervolles Beispiel für den Respekt und die Liebe zur Vorarlberger Bautradition, ohne hierbei dem Traditionalismus zu verfallen.“ lautet das Urteil der Jury.

 

Damit haben sie völlig Recht, denn die ursprüngliche Idee wurde logisch und konsequent fortgeführt und mit liebevollen Details und moderner Technik in das neue Zeitalter transportiert.

 

Architekt Bernhard Breuer wurde mit dem Auftrag betraut, die Substanz des ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäudes weitgehend zu schonen und nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in ein hochwertiges Wohnhaus zu überführen.

 

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Stallgebäude innen nach der SanierungDas Gelingen des Auftrags ist auf die konsequente Fortführung der ursprünglichen Baulogik und die Verwendung rohbelassener und zum Teil recycelter Materialien zurückzuführen. So wurden beispielsweise alte Techniken für die Arbeiten an der ursprünglichen Konstruktion angewandt oder ehemalige Stützen in der Umbauphase wiederverwendet.

 

Eingang Stallgebäude nach der SanierungDie Außenwandkonstruktion wurde zur Gänze von innen her aufgebaut um die bestehende Bretterschalung nicht abnehmen zu müssen. Diese unbehandelte Holzfassaden verwittert je nach Himmelsrichtung in verschiedenen Farbtönen – von schwarz über braun-orange bis hin zu silbergrau. Das grünliche Kupferdach erweitert dieses Farbspektrum.

 

An der unrenovierten Holzfassade verraten nur die modernen und passgenau eingefügten Details der Fenster, dass es sich um einen kürzlich fertiggestellten Umbau handelt. Im Inneren wurden traditionelle Details sorgsam beibehalten und mit neuen Details ergänzt.

 

 

Stallgebäude nach der Sanierung

Das Dach verrät darüber hinaus, dass der Umbau auch ein nachhaltiges Energiekonzept verbirgt: integrierte PV- und Solarthermie-Module, die etwa 200% des Strombedarfs und der Großteil des Warmwassers bzw. des Heizbedarfs decken und Dachflächenfenster, die die Innenräume bis ins Erdgeschoß mit Tageslicht versorgen, die Frischluftzufuhr gewähren und damit ebenfalls Energiekosten minimieren.

Stallgebäude innen nach der Sanierung

Die Positionierung der Fenster wurde im Rahmen einer Begehung vor Ort ausgekundschaftet – Architekt Breuer verrät uns, dass anhand dessen und in weiterer Folge anhand eines Apps, der Sonnenverlauf und die Lichtmenge genau bestimmt werden konnte. Die Ausblicke wurden zum einen so gewählt, das Ausblicke auf die Landschaft und die umgebenden Gärten gewährleistet und zum anderen die Frischluftzufuhr gesichert werden konnten.

Durch die sorgfältige Sanierung der alten Bausubstanz und das kompositorisch ausgewogene, aber dennoch selbstbewusste Einfügen neuer Elemente bewahrt das Stallgebäude nicht nur ihre Würde, sondern bietet den Bewohnern Freiraum zur persönlichen Entfaltung und Behaglichkeit in einem modernen Rückzugsort mit historischem Background. Damit ist ein spannender Kontrast zwischen der alten sichtbaren Konstruktion und den neuen Einbauten entstanden.

Foto: Marcelle Girardelli & Bernhard Breuer

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