Guter Rat bei Kondensat

Guter Rat bei Kondensat

Kondensat am Fenster

So schön der Anblick einer morgendlichen, mit frischen Tautropfen übersäten Sommerwiese auch sein mag, in unseren Häusern und Wohnungen schätzen wir die Feuchte nicht. Was tun bei feuchten Fensterscheiben? Wir gehen zuerst einmal der Frage nach, wie Kondensat (auch: Schwitzwasser) überhaupt entsteht.

 

Morgentau

Zwei Faktoren sind maßgebend für die Kondensatbildung: die Raumluftfeuchte und die Oberflächentemperatur. Beim Bauen und Sanieren, aber auch bei der ganz normalen Nutzung wird zwangsläufig Feuchte ins Gebäude eingebracht. Wird schon beim Bauen zu wenig abgelüftet, wird die Feuchtigkeit von später eingebrachten Materialien, Möbeln und Textilien im Gebäude gespeichert. Konsequenz: Selbst nach dem Stoßlüften erfolgt eine rasche Nachlieferung von Feuchtigkeit aus eben diesen „Speichern“.

 

Ein hohes Feuchteniveau im Raum und ein erhöhtes Kondensatrisiko sind die Folge. So paradox es klingt – auch unsere moderne Bauweise begünstigt die Entstehung von Kondensat: Verstärkte Wärmedämmung, reduzierte Luftdurchlässigkeit, Verringerung der Heizlast, aber auch die Nutzung von schattigen Lagen, feuchten Talbereichen und Hangaufwindgebieten als Baugrund beeinflussen die Rahmenbedingungen für die Kondensatbildung an und in Gebäuden in Summe ungünstig. (Quelle: Kondensat am Fenster von DI Heinz Ferk, TU Graz)

Einflussfaktoren Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur

Die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen ist ein wesentlicher Faktor für das subjektive Wohlbefinden. Gesund wohnen Sie, wenn Sie eine gleich bleibende Raumtemperatur von etwa 20 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 50 % in Ihren Räumen halten. Unter diesen Bedingungen fällt bei einer Temperatur von 9,3 °C Tauwasser an, das heißt: Auf allen Oberflächen, auf denen die Temperatur also 9,3 °C oder darunter beträgt, entsteht Kondenswasser.

Bei Fenstern, die 20 Jahre und älter sind, entsteht bei tieferen Außentemperaturen eine Oberflächentemperatur von unter 9 °C auf den Scheiben. Deshalb wurden die Heizkörper früher so gut wie immer unter den Fenstern platziert. Zum einen konnte der aufsteigende Warmluftstrom die Glasscheibe erwärmen – die Bildung von Kondenswasser konnte vermieden oder verringert werden. Zum anderen wurde so natürlich auch die Wohnbehaglichkeit erhöht, weil kalte Flächen immer unangenehm „abstrahlen“ und das  subjektive Gefühl von Zugluft entsteht.

schlafendes Kind

Kondensatvermeidung verhindert Folgeschäden

Heutzutage sind Fenster hochentwickelte technische Systeme mit wärmetechnisch effizienten Isoliergläsern, an denen die Oberflächentemperatur selbst bei sehr niedrigen Außentemperaturen meist um die 12° und mehr beträgt. Bedingungen, bei denen bei normaler Raumluftfeuchtigkeit von ca. 50 % kein Kondenswasser auftritt. Heizkörper müssen damit nicht mehr zwingend unter den Fenstern platziert werden, zumal auch immer mehr die modernen Niedertemperatur-Flächenheizungen zum Einsatz kommen. Die gezielte Vermeidung von Kondenswasserbildung hat gute Gründe. Die permanente Feuchtigkeit würde ansonsten optimale Bedingungen für die Entstehung von Schäden wie Schimmelbildung oder Fäulnis schaffen. Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf die Substanz der Bauteile wie Fenster und Wände würde dies auch die Gesundheit beeinträchtigen. Daher ist es umso wichtiger, speziell bei älteren Fenstern bei den ersten Anzeichen von Kondensatbildung zu handeln bzw. es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Dichte Gebäudehülle braucht kontrollierte Lüftung

Infografik

Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs, wärmetechnisch optimierte Gebäudehüllen etc. sind unerlässlich für Umwelt und Wohngesundheit. Allerdings sind die Häuser dadurch heutzutage nahezu luftdicht. Der Luftaustausch inklusive Regelung der Luftfeuchtigkeit,
der früher quasi automatisch durch undichte Fenster oder Gebäudeteile erfolgte, fällt damit weg. Zudem entsteht tagtäglich in den Innenräumen einiges an Feuchtigkeit: Ein Mensch gibt ständig Feuchtigkeit ab: pro Stunde im Schlaf ca. 45 g und zwischen 90 und 170 g bei der Hausarbeit. Nach dem Duschen oder Kochen erreicht die Luftfeuchtigkeit oft Spitzenwerte. So kommen bei einem Vierpersonenhaushalt rund 10 bis 15 Liter Wasser pro Tag zusammen.

Diese Luftfeuchtigkeit muss heute bewusst „weggelüftet“ werden: durch gezieltes Fensteröffnen (per Hand oder elektrisch) und/oder durch eine kontrollierte Wohnraumlüftung.

Abschließend noch ein paar Tipps, um der Entstehung von zu viel Luftfeuchtigkeit und damit der Bildung von Kondensat vorzubeugen:

  • Trocknen Sie Wäsche nach Möglichkeit nicht in den Wohnräumen.
  • Halten Sie beim Kochen und Duschen die Türen geschlossen und sorgen Sie anschließend für einen ausreichenden Luftaustausch.
  • Verzichten Sie möglichst auf Luftbefeuchter und Verdunster an Heizkörpern.
  • Achten Sie bei der Anordnung der Möbelstücke auf eine ausreichende Luftzirkulation zwischen Möbeln und Wänden.
  • Wenn Ihre Heizung mit einer automatischen Nachtabsenkung ausgestattet ist, sollten Sie gut durchlüften, bevor die Heiztemperatur absinkt. Da frische Luft für einen erholsamen Schlaf ohnehin wichtig ist, sollten Sie vor dem Zubettgehen unbedingt die herrliche Nachtluft hereinlassen!

 

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