Wenn ein Haus quasi Kopf steht …

Wenn ein Haus quasi Kopf steht …

Ein Haus steht Kopf

Für das Einfamilienhaus im dänischen Jütland stellten die Architekten nahezu alles auf den Kopf, was konventionelle Wohnvorstellungen unter Raumaufteilung verstehen. Tatsächlich finden sich in der Villa UpDown, wie das Architekturbüro CEBRA das Objekt zutreffend bezeichnet, die Wohnräume oben, während die weniger repräsentativen Schlafräume im Erdgeschoss platziert sind. So vermag der asymmetrisch komplett verglaste Giebel und der vorgelagerte südseitige Balkon den herrlichen Seeblick ins Haus zu holen.

Wohn- und Essbereich mit Ausblick Balkon

Genau das war die zentrale Absicht hinter dieser ungewöhnlichen Idee. Denn das Grundstück am idyllischen Sejssee in der Nähe von Silkeborg befindet sich in der „zweiten Reihe“ und verfügt daher über keinen direkten Seeblick vom Garten aus. Das reizvolle Panorama ist also nur vom Obergeschoss aus sichtbar und kann dank der auf den Kopf gestellten Raumaufteilung für die Bewohner ein fixer Bestandteil ihres Familienlebens sein. Wohnzimmer und Küche bilden einen gemeinsamen Raum ohne Trennwand, der zusammen mit einem kleinen Bad die gesamten 40 m2 Grundfläche dieses Dachgeschosses einnimmt. Was nach nicht wirklich viel klingt, wirkt tatsächlich überaus großzügig und hell dank der durchdacht angeordneten Fensterflächen im Dach und in den Wänden. Überhaupt ist die Belichtung ein spannendes Thema. Denn so „zufällig hingeworfen“ die Dachfenster auch wirken, die Platzierung sorgt für ausbalancierte Helligkeit von oben und optimale Lichtverhältnisse an den Arbeitsplätzen.

Summa summarum ist die Villa UpDown ein perfektes Beispiel dafür, wie gerade die auf den ersten Blick nachteilig oder einschränkend erscheinenden Grundstückseigenschaften zum prägenden Qualitäts- und Gestaltungsmerkmal werden können.

Küche Treppenaufgang Musikzimmer

Ungewöhnlichkeit als Konzept

An der Villa UpDown ist nahezu nichts so, wie man es üblicherweise bei (Wohn-)Gebäuden erwartet. Das beginnt bereits beim vieleckigen Grundriss, den Architekt Kolja Nielsen von CEBRA als „zusammengesetztes Haus“ erklärt. In dem klassischen Steildach-Haus zeigt sich die traditionelle Gliederung völlig aufgelöst und neu konfiguriert, um einerseits die Vorzüge der Lage zu nützen und andererseits die spezifischen Ansprüche der Bewohner zu erfüllen.

Den Kern bildet das Haupthaus, das durch eine Reihe von Anbauten jedoch auf den ersten Blick gar nicht als solches erkennbar ist. Zu jeder Seite gibt es Erweiterungen, die von außen als spannungsvolle Vorsprünge und Ecken in der Gebäudefront erlebt werden und Platz für die Schlafräume, für Stauraum und überdachte Zonen im Garten bieten. Gerade durch diesen bewussten Verzicht auf Regelmäßigkeit und geometrischen Gleichklang fügt sich der gesamte Baukörper harmonisch in die Umgebung ein.

Die kompakte Bauweise sorgt außerdem für reduzierten Energieverbrauch. Dazu trägt auch der mittig wie eine Lebensader durchs Gebäude laufende Kamin bei, der auf beiden Geschossen befeuert werden kann und entsprechend Wärme abgibt und speichert.

Ein Haus steht Kopf - Aussenansicht Ein Haus steht Kopf - Aussenansicht

Variation wohin man blickt

Allein beim Blick auf die Verkleidung aus Zedernholz lässt sich erkennen, ob man das Hauptgebäude oder einen Anbau vor sich hat: Das Hauptgebäude ist mit horizontalen Zedernholzpaneelen verkleidet, die Fassaden der Anbauten hingegen mit vertikalen Paneelen in unterschiedlichen Breiten. Up and down. Breite Paneele werden zu schmalen, vertikal wird horizontal, kleine Fenster werden zu großen. In unterschiedlichen Formaten und Orientierungen erheben sich breit gelagerte Fassadenfenster über hochkant orientierten Dachflächenfenstern und umgekehrt. Einziger gemeinsamer Nenner ist die Dacheindeckung mit Zinkblechen von konstanter Breite, die der bewegten Harmonie des Hauses einen ordnenden Abschluss verleiht.

Ein Haus steht Kopf - Aussenansicht Ein Haus steht Kopf - Aussenansicht

Ein Haus steht Kopf - Skizze

„Wir arbeiten nach dem Prinzip, dass ein einziger Satz oder eine einzige Skizze erklären können muss, warum das Haus genau so und nicht anders aussieht“, erklärt Architekt Kolja Nielsen von CEBRA. „Wenn Sie sich also fragen, warum bei der UpDown Villa Wohnzimmer und Küche im Obergeschoss sind, dann lautet die einfache Antwort: Weil es von da die beste Aussicht auf den See gibt!“

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