Die Macht der Nacht

Die Macht der Nacht

Nachthimmel

Der Anblick des nächtlichen Firmaments übt eine unglaubliche Faszination aus. Nicht umsonst haben die Sterne Dichter, Philosophen und Wissenschaftler zugleich in ihren Bann gezogen. Gut nachvollziehbar, wirft ein Blick in die Unendlichkeit doch automatisch Fragen zu unserer Existenz, aber auch zu der höherer Wesen, Gottheiten oder auch Außerirdischer auf. Für uns als moderne Menschen und Stadtbewohner sind Sternenhimmel und mondhelle Nächte leider selten geworden. Schuld daran ist die zunehmende Beleuchtungsintensität durch Straßenlaternen, Leuchtreklamen und Ähnliches, die der Nacht ihre Dunkelheit nimmt. Dieses Zuviel an Licht in der Nacht kann jedoch für die Gesundheit des Menschen und der Ökosysteme gefährlich sein. Begleiten Sie uns auf die Nachtseite des Lebens, die durchaus ihre spannenden Seiten hat!

Dunkelheit – vom Aussterben bedroht?

Die zunehmende Lichtverschmutzung legt diesen Schluss nahe. Der Begriff umschreibt sehr gut den verschwenderischen Umgang mit Kunstlicht in der Nacht, durch den wir die Schönheit einer natürlichen Nacht kaum mehr kennen.

Nachthimmel

Nur noch ein Drittel aller Erdbewohner lebt in Gegenden, in denen überhaupt ein wirklich dunkler Nachthimmel zu sehen ist. In Westeuropa sind es sogar deutlich weniger als 10 %. Hier kann die Hälfte der Menschen nicht einmal mehr die Milchstraße sehen, weil das Umfeld zu hell erleuchtet ist. Vor allem aus gesundheitlicher Sicht bedenklich ist der immer stärker zunehmende Anteil an LED-Leuchten für Straßenlaternen. Was aus Energieeffizienz- und daher Kostengründen sehr vernünftig erscheint, ist für uns und viele andere Lebewesen eher schädlich. Das Licht von LED-Leuchten enthält einen hohen Blauanteil, was dem Körper signalisiert: Wach auf! Unsere innere Uhr kommt dadurch aus dem Takt, die Folge sind Schlafprobleme, über die immer mehr Menschen klagen.

Schlafforscher erkennen sogar einen starken Zusammenhang zwischen langen Beleuchtungs- und kurzen Schlafdauern. So wird Schlafmangel mittlerweile nicht nur mit einem erhöhten Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes und Depressionen in Verbindung gebracht. Wissenschaftler haben sogar einen Zusammenhang zwischen nächtlicher Beleuchtung und erhöhtem Risiko für Brust- und Prostatakrebs hergestellt. Verantwortlich dafür soll das „Schlafhormon“ Melatonin sein. Es wird nur bei Dunkelheit ausgeschüttet und führt bei einem Mangel zu tendenziell schnellerem Wachstum bei Krebszellen.

Tatsache ist, dass (nahezu) jedes Lebewesen auf der Erde den Wechsel von Licht und Dunkelheit für seine Gesundheit, ja für sein Überleben braucht. Je mehr aber die Nacht zum Tag wird, umso gravierender auch die Auswirkungen auf die Ökosysteme. Rund 30 % aller Wirbeltiere und 60 % aller Wirbellosen sind nachtaktiv.

Die zunehmende Beleuchtung in der Nacht beeinträchtigt den Jagderfolg, verwirrt und gefährdet die vorwiegend nächtlichen Reisen der Zugvögel, leitet frisch geschlüpfte Schildkröten ins Landesinnere, weil sie ihrer Programmierung folgen, sich auf das hellste Licht in ihrer Umgebung zuzubewegen – und das war ursprünglich das sich im Meer spiegelnde Mond- und Sternenlicht. Und das sind nur einige Beispiele. Die Folgen sind (noch) nicht absehbar, offenbaren sich aber nach und nach.

Guter Schlaf

Die Nacht als Lebenselixier

Durch den Schlaf, unsere bedeutende Kraftquelle, wird die Nacht für uns sogar zum Lebenselixier. Er füllt nicht nur unsere Energiereserven wieder auf, sondern hilft uns auch, gesund zu bleiben und uns an Dinge zu erinnern. Während des Schlafs reduziert sich der Energieumsatz des Körpers und des Gehirns, die Energiespeicher im Gehirn werden aufgefüllt. Auch viele Funktionen unseres Immunsystems – darunter das „Langzeitgedächtnis“ unserer Abwehrkräfte, das Informationen über Krankheitserreger speichert – arbeiten beim Schlafen am effektivsten. Wachstumshormone werden vorwiegend in der ersten Hälfte des Nachtschlafs ausgeschüttet, sodass sich nachts am meisten neue Körper- und Gehirnzellen bilden. Außerdem kommt unser Gehirn während des Schlafs dazu, die am Tag aufgenommenen Informationen zu ordnen und einen Teil davon im Langzeitgedächtnis zu speichern. All dies läuft in einem sich vier- bis sechsmal pro Nacht wiederholenden Schlafzyklus ab, der aus vier Schlafphasen besteht:

Einschlafphase:

Im Übergang vom Wachsein zum Schlafen entspannt sich der Körper, das Gehirn kommt langsam zur Ruhe. Hier kommt es manchmal zu unkontrollierten Zuckungen, weil die Körperfunktionen unterschiedlich schnell heruntergefahren werden, das Gehirn schon fast eingeschlafen, die Muskulatur aber noch aktiv ist.

Leichtschlaf:

Hier entspannt sich der Körper noch weiter, Atmung und Herzschlag verlangsamen sich. Diese Phase dauert zwischen 30 und 60 Minuten und nimmt mehr als 50 % des Gesamtschlafs ein.

Tiefschlaf:

In diesem erholsamsten Schlafstadium ist der Körper völlig entspannt und regungslos. Jetzt werden besonders viele Wachstumshormone ausgeschüttet. Die erste Tiefschlafphase kann bis zu einer Stunde dauern, die weiteren der Nacht sind dann etwas kürzer. Obwohl der Körper in dieser Phase völlig entspannt ist, kommt es hier zu Phänomenen wie Schlafwandeln oder Sprechen im Schlaf.

REM-Phase:

Nach einer neuerlichen Leichtschlafphase beginnt die REM-Phase, in der es zu deutlich durch die Lider sichtbaren Augenbewegungen (Rapid Eye Movements) kommt. Jetzt ähneln die Aktivitäten des Gehirns jenen der Wachphase, Puls und Atmung beschleunigen sich, der Blutdruck steigt. Es ist die Phase des intensiven Träumens. Dabei ist die Muskulatur aber wie gelähmt, damit wir diese Träume nicht gleich in die Tat umsetzen. Wird man zu diesem Zeitpunkt aufgeweckt, kann man meist noch die soeben erlebten Träume wiedergeben.

Angesichts der Bedeutung, die guter Schlaf für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit hat, ist eine sorgfältige Planung und Gestaltung der Schlafumgebung enorm wichtig. Immerhin verbringt der Mensch durchschnittlich ein Drittel seines Lebens schlafend. Umso achtsamer sollte daher mit dieser Lebenszeit umgegangen werden.

Nacht-Lektüre

Magazin „Daylight & Architecture“

 

In der 25. Ausgabe seines zweimal jährlich erscheinenden Magazins „Daylight & Architecture“ beleuchtet VELUX das Thema natürliches Licht in einem ganzheitlichen Kontext. Denn Licht begleitet uns nicht nur tagsüber, sondern auch in der Nacht.

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