Alt und Jung gesellt sich gern!

Alt und Jung gesellt sich gern!

Zubau eines Mühlviertler Bauernhofs

Das beweist das Architekturbüro Hammerschmid, Pachl, Seebacher, das den Charme eines „alten“ Mühlviertler Bauernsacherls* gekonnt in eine „junge“ Wohnlösung übersetzt. Dieses Sacherl befindet sich im oberösterreichischen Bad Leonfelden und wurde 1987 von den Eltern des jetzigen Bauherrn gekauft, renoviert und als Zweitwohnsitz genutzt. Nun sollte das Objekt um zwei eigenständige Wohneinheiten erweitert werden – eine für die vierköpfige Familie des Auftraggebers und eine für dessen Mutter.

„Zunächst einmal galt es zu erheben, welche Bausubstanz ursprünglich und erhaltenswert ist“, erzählt Architekt Dietmar Hammerschmid. Im Laufe der Jahrzehnte war das Bauernhaus mehrmals erweitert und saniert worden. Die einfache, rechteckige Geometrie des Gebäudes, charakteristisch für die Region im Mühlviertel, wurde beibehalten. Nur die Anbauten wurden teilweise abgebrochen bzw. angepasst. Der Altbestand wurde im typisch mühlviertlerischen Steinbloß-Stil belassen, bei dem die größeren Granitmauersteine unverputzt blieben. „Im Mittelpunkt des Umbaus stand ein respektvoller Umgang mit dem Altbestand. Der ursprüngliche Charme des Sacherls sollte bewahrt, aber gleichzeitig gefühlvoll um moderne Wohneinheiten ergänzt werden.“

Sanierung und Zubau eines Mühlviertler Bauernhof

© Dietmar Hammerschmid

Erweiterungsbau schlägt die Brücke zwischen Tradition und Moderne

Das monolithische Erscheinungsbild des Zubaus, mit einheitlicher Fassadenverkleidung aus sägerauer Fichte, fügt sich ganz natürlich in die Bautradition der Region und ins Landschaftsbild ein. Aus Respekt vor dem alten Gebäude haben sich Bauherr und Architekt bewusst für dieses Material entschieden, das dem angrenzenden Wald entstammt. Da gleiches Holz in der Region typischerweise für Scheunen verwendet wird, gibt sich der Zubau bescheiden und lässt dem alten Trakt den Vortritt als Haupthaus.

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© Dietmar Hammerschmid

Die Steildach-Konstruktion des Zubaus ist weit mehr als ein Zugeständnis an die regionale Bautradition. Die gefaltete Dachform und die schräg verlaufende Traufe nehmen die unterschiedlichen Höhen des bereits bestehenden Gebäudes auf und interpretieren sie neu. Dazu passend erhielt auch der traditionelle Giebel eine moderne Optik. Vom Rücken des Zubaus bis zum kürzeren Flügel vorne wurde die gesamte Dachfläche mit Faserzement-Ziegeln gedeckt. Auch damit grenzt sich die Erweiterung markant vom traditionell gedeckten Haupthaus ab.

Zubau und Sanierung Bauernhof mit VELUX Fenster

© Dietmar Hammerschmid

Drei Generationen, eine Adresse

Die Erweiterung des Bauernhauses hat sich gelohnt: Auf zwei Ebenen entstand großzügiger Wohnraum für die gesamte Familie des Bauherrn. Seine Mutter bewohnt nun einen attraktiven, in sich abgeschlossenen Bereich im Erdgeschoss des Sacherls, inklusive Schlafzimmer, Badezimmer, Wohnzimmer, Küche und einem kleinen Wintergarten.

Zubau und erster Stock bilden den neuen, zweigeschossigen Wohnbereich der zweiten und dritten Generation. Im Erdgeschoss des Zubaus befinden sich die Garage, ein Arbeitszimmer, ein Badezimmer sowie die Eingangshalle, darüber die offene Wohnfläche mit Küche, Esszimmer und Wohnbereich. Die Innenarchitektur zeigt sich dabei schlicht und unaufdringlich. Weiße Wände und vorwiegend ebenfalls weiße Möbel bringen die Materialität der frei liegenden Holzbalken, deren warmer Farbton sich in den Holzböden fortsetzt, optimal zur Geltung. Direkt an den Wohnbereich schließt eine teilüberdachte Terrasse an und lässt die Grenzen zwischen Drinnen und Draußen verschwimmen. Die Holzkonstruktion bleibt in Form der markanten Dachbalken sichtbar, wobei dieser an sich offene Bereich bei Schlechtwetter auch geschlossen werden kann. Im ersten Stock des Sacherls befinden sich die drei Schlafzimmer sowie ein weiteres Arbeitszimmer und komplettieren damit die neue großzügige Wohn-Oase der Familie.

Viel Tageslicht genießt die Familie nicht nur auf ihrer Terrasse, sondern auch durch die zusätzlichen Dachflächenfenster im Innenraum. Als gezielt gesetzte Lichtquellen sorgen sie für angemessene Belichtung und schaffen zudem einen Bezug zur traumhaften Landschaft.

Sanierung und Zubau eines Mühlviertler Bauernhof - Innenansicht Küche Sanierung und Zubau eines mühlviertler Bauernhof - Innenansicht Wohnen

© Dietmar Hammerschmid

Durchdachtes Energiekonzept

Ein ökologisch durchdachtes Energiekonzept rundet das Projekt ab. Für die Wanddämmung wurde Mineralwolle verwendet und bewusst auf Styropor verzichtet. Im neuen Dach kam Zellulose als Isoliermaterial zum Einsatz. Da sich in der Nähe des Hauses ein Wald befindet, war man laufend mit der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich im Gespräch. „Die Zusammenarbeit verlief positiv und wir konnten einvernehmliche Lösungen finden, um den sensiblen Waldbestand zu erhalten“, zeigt sich auch der Bauherr zufrieden.

Seit rund einem Jahr lebt er nun im revitalisierten und erweiterten Mehrgenerationen-Bauernsacherl und beweist: Hier gesellt sich Alt und Jung tatsächlich in jeder Hinsicht gern!

 

* Der Begriff Sacherl leitet sich als Verkleinerungsform von „Sache“ (im Sinn von rechtmäßiger Besitz) ab und bezeichnet ein kleines landwirtschaftliches Anwesen.

 

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