LowTech! Schlaue Häuser brauchen wenig Technik

LowTech! Schlaue Häuser brauchen wenig Technik

Von einem Smart Home träumen viele. Aber: „Nur dumme Häuser brauchen künstliche Intelligenz“, ist Dr. Wolfgang Streicher, Professor für Energieeffizientes Bauen an der Universität Innsbruck, überzeugt. In der integralen Planung – gemeint ist das Zusammenspiel von Gebäude und Haustechnik schon von den ersten Planungsschritten an – liegt seiner Meinung nach das größte Potenzial für nachhaltiges Bauen und somit für eine „grüne Wohnzukunft“.

Es klingt im ersten Moment verlockend: ein Haus, bei dem alles automatisch und „smart“ funktioniert. Alles auf Knopfdruck, Hightech bis in den letzten Winkel. Dass Smart-Home-Technik viele Vorzüge hat und für so manche Annehmlichkeit sorgt, ist unbestritten. Aber fast jeder User, selbst der leidenschaftlichste Technik-Freak, stößt immer wieder an seine Grenzen, z. B. wenn es um das Abstimmen und die Wartung der vielen unterschiedlichen Systeme geht. Zudem stellt sich für immer mehr Menschen die Frage, ob unsere Zukunft wirklich nur auf Hightech ausgerichtet sein sollte.

Smart Home Bedienung

Hightech bis in den letzten Winkel?

Hightech birgt Risiken

Zuhause – das ist ein Ort des Rückzugs, der Geborgenheit, der Entspannung. Hier sollten Stress und Ärger keinen Zutritt haben. Wer sein Haus exzessiv mit Technik vollstopft, riskiert jedoch genau das. Viele der komplexen Hightech-Systeme sind alles andere als bedienerfreundlich, das Abstimmen kann kompliziert sein und erfordert auf jeden Fall ein gewisses Grundwissen und die Bereitschaft, Zeit zu investieren. Glücklich auch, wer über viel Geduld und Langmut verfügt. Die rasante technische Weiterentwicklung sorgt zudem dafür, dass viele Smart-Home-Systeme bereits nach wenigen Jahren veraltet sind und sich Updates oft gar nicht mehr so einfach installieren lassen. Ersatzteile für Sensoren und Fühler sind oft nach wenigen Jahren nicht mehr verfügbar. Ein weiterer großer Nachteil ist der Energieverbrauch, der erstens mit entsprechenden Kosten einhergeht und zweitens kontraproduktiv gegenüber allen Bestrebungen für ressourcenschonendes, umweltbewusstes Leben und Wohnen ist.

Smart Home kann stressen

Zu viel Technik kann stressen!

 

Aber „No-tech“ ist auch keine Lösung!

Wer im Gegenzug auf jede Technik verzichtet, lebt nicht gerade bequemer und auch nicht unbedingt grüner. Was tun?

Die Antwort: integrale Planung auf Lowtech-Basis

Der alles entscheidende Faktor dabei: Gebäudeplaner und Haustechnikplaner müssen von Anfang an gemeinsam arbeiten! Das Haus und seine Technik sollten fast schon symbiotisch aufeinander abgestimmt sein, eine perfekte Einheit bilden – dann kommt man auch mit einer sehr einfachen, robusten Haustechnik aus, die Geldbörse und Nerven schont. Immer mehr Bauherren wollen sich der Technik nicht mehr unterwerfen, sondern sie ganz gezielt in einem energieeffizienten, intelligenten Gebäudekonzept einsetzen. Wie kann man sich ein solches vorstellen? Entscheidende Faktoren sind:

Blick aufs Ganze

Ein integrales Planungskonzept berücksichtigt Faktoren wie die klimatischen Bedingungen, das Grundstück selber, seine Lage, seine Einbettung in die Umgebung und die optimale Ausrichtung des Hauses. Der Tagesablauf, die Gewohnheiten der künftigen Bewohner spielen eine zentrale Rolle – denn danach richtet sich in der Folge der gesamte Gebäudeentwurf inklusive dem Tageslichtkonzept – für Wohnen mit so viel natürlichem Licht wie nur möglich ohne zu sommerlichen Überhitzung zu führen.

Natürliches Smart Home

So viel natürliches Licht wie nur möglich!

Licht, Luft …

Hand in Hand mit dem Tageslicht gehen Belüftung und Kühlung. Heutzutage denkt beim Stichwort „Kühlung“ fast jeder an eine Klimaanlage. Auf den teuren Energiefresser kann man jedoch getrost verzichten, wenn man Fassaden- und Dachfenster so positioniert, dass eine natürliche Lüftung und damit im Sommer ein vollkommen ausreichender Kühleffekt entsteht: Natural ventilative cooling setzt auf ein gar nicht neues Phänomen – den gezielten Luftstrom (meist Kamineffekt), der in diesem Fall durch das abgestimmte Öffnen und Schließen der Fenster während der kühlen Nachtstunden herbeigeführt wird. Sind die vertikalen Fenster mit schlagregen-, wind- und einbruchsicheren Jalousien oder Rollos ausgerüstet, können die Fenster in der Nacht beruhigt offen bleiben. Bei Dachfenstern kann hier mit einfachen Steuerungen gearbeitet werden.

Smart Home mit wenig Technik

Active House Döllinger – maximler Wohnkomfort mit minimaler Haustechnik

… und Schatten

Licht ist gut und schön – aber ohne eine entsprechende Beschattung wird in den Sommermonaten die Hitze zur Qual, eine Klimaanlage ist dann oft wirklich die einzige (Not-)Lösung zur Kompensierung von Planungsdefiziten (Stichwort „Glaspaläste“). Wer nach integralen Planungsleitsätzen baut, hat bereits von Anfang an auch die Beschattung im Blick. Bedenken Sie dabei bitte unbedingt, dass innenliegende Systeme (Innenjalousien, Rollos etc.) nur das Licht abhalten, nicht aber die Hitze. Diese bleibt nur dann wirklich draußen, wenn Sie verhindern, dass die Sonnenstrahlen durch die Scheiben von Fenstern und Türen dringen – beispielsweise mit Markisen, Rollläden oder Markisetten. Auch hier ist Haustechnik gefragt – z. B. wenn die Beschattung zu bestimmten Zeiten und unabhängig von der Anwesenheit der Bewohner erfolgen soll.

Auf die Hülle kommt es an

Eine gut gedämmte Gebäudehülle ist sowohl beim Neubau als auch bei Sanierungen unerlässlich. Wirklich zielführend ist die Kombination: eine gute Fassadendämmung, ein gut gedämmtes Dach und moderne, energieeffiziente Fenster und -türen. Wer neu baut, kann heute von vorneherein aus unterschiedlichsten, ebenso attraktiven wie energieeffizienten Gebäudekonzepten wählen.

Beispiele aus der Praxis

Das VELUX Sunlighthouse ist das erste CO2-neutrale Haus Österreichs. Selbst DI Dr. Peter Holzer (Institute of Building Research & Innovation), der das Haus wissenschaftlich von Anfang an betreut hat, ist von den Auswirkungen des integralen Planungskonzeptes überrascht: „Dieses Haus ist so g´scheit geplant, so viel Haustechnik hätt´s gar nicht gebraucht.“

Sunlighthouse - CO2-neutrales Smart Home  Sunlighthouse - CO2-neutrales Smart Home

Das VELUX Sunlighthouse – ein intelligentes Konzept, das sogar mit noch weniger Haustechnik ausgekommen wäre!

RenoActive - Smart Home ohne viel Technik  RenoActive - Smart Home ohne viel Technik

RenovActive ein Renovierungskonzept in Brüssel – trotz wenig Haustechnik viel Komfort

Fazit

Intelligent geplante Häuser kommen mit einer sehr schlanken Haustechnik aus. Wichtig ist ein auf die regionalen Gegebenheiten und die Gewohnheiten der Bewohner abgestimmter Gebäudeentwurf, den Planer (Architekt oder Baumeister) und Haustechnikplaner von Anfang an gemeinsam entwickeln.

Smart Home Skizze

Kommentare

Kommentare