Ein Zuhause voll innerer Werte

Ein Zuhause voll innerer Werte

Ein ökologisches Haus sollte es werden. Nachhaltig sowohl im Hinblick auf die verwendeten Materialien als auch beim Betrieb. Architekt Franz Karner hat also, bevor es ans Bauen ging, alles zig-mal hinterfragt und viel Zeit in die Planung investiert. Dafür ging es dann umso schneller. Auch dank der gewählten Holzbauweise war das Haus im niederösterreichischen Neulengbach in nur fünf Monaten fertig gestellt. Seit April 2015 wohnen die Besitzer nun darin und stellen fest: Wenn sie noch einmal anfangen würden, sie würden nichts anders machen. Das Ergebnis stimmt absolut und in jeder Hinsicht mit den ursprünglichen Vorstellungen überein.

Nachhaltigkeit durch Zimmermannsarbeiten Passivhaus aus nachhaltigem Holz

Nachhaltigkeit als oberste Prämisse Nachhaltige im Betrieb

 

Nachhaltigkeit als oberste Prämisse

Schon bei der ersten Grundstücksbesichtigung verschaffte sich der Architekt einen Überblick, welche Ressourcen vor Ort zur Mitverwendung zur Verfügung stehen. Die Entscheidung für Holz als Primärmaterial fiel also nicht von ungefähr. Als CO2-neutralster und regional verfügbarer Baustoff passte Holz perfekt ins Konzept. Außen liegt auf der das gesamte Haus umlaufenden Terrasse heimisches Lärchenholz, die Fassade ziert die sägeraue Ausführung als Verschalung. Innen sind es weiß geölte, gebürstete Landhausdielen und die in Sichtqualität ausgeführte Brettsperrholzdecke, die für natürlich-heimelige Atmosphäre sorgen.

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Auch bei der Entscheidung für die Zimmermannsarbeiten bewiesen Bauherren und Architekt nachhaltiges Denken. Sie wurden zur Gänze von einem nur 10 km entfernt ansässigen Partner durchgeführt. Und der trotz Verzicht auf einen Keller nötige Aushub wurde gleich vor Ort nahezu gänzlich zur Geländeformung des Grundstücks verwendet.

Das ganze Haus ist dank der bei Holzbauweise möglichen Vorfertigung in Schichten aufgebaut, kann also auch ganz einfach wieder in Schichten abgebaut und somit recycelt werden. Als Dämmmaterial wurde Zellulose in die Wände eingeblasen, für die Installationsebene kam gepresste Holzwolle zum Einsatz.

Von heute – für morgen

Das Haus ist für ein Ehepaar konzipiert und soll den beiden auch als Alterswohnsitz dienen. Dabei stand eine Forderung für das Paar klar im Vordergrund: Nicht nur „für“ das Haus leben zu müssen. Der Entwurf folgte demnach dem Motto „so klein als möglich, so groß wie nötig“. Inkl. Vorraum und Technikraum verfügt das Haus über 118 m2, ein angeschlossenes Nebengebäude mit 38 m2 dient an Stelle des Kellers als Lager, Werkstatt, Wirtschafts- und Haustechnikraum. Der gesamte Wohn-, Ess- und Küchenbereich ist offen gestaltet, das Badezimmer liegt wie eine Insel zwischen Küchenbereich und Schlaf-/Ankleidebereich. Diese Planung ermöglichte extrem kurze Leitungswege für die Installationsarbeiten. Technisch gesehen kommt das Haus mit der kleinsten am Markt befindlichen Wärmepumpe aus, unterstützt durch im Garten verlegte Soleschläuche und eine Lüftungsanlage. Und obwohl alle beteiligten Facharbeiter und Gewerke schon Passivhaus-Erfahrung hatten, zeigten sie sich begeistert von der peniblen und effizienten Planung, die in diesem Haus steckt. Es ist ein perfektes Beispiel dafür, dass der Begriff Passivhausstandard mehr bedeutet als ein Haus dick einzupacken und mit einem Höchstmaß an Wärmedämmung zu versehen.

Nachhaltig dank Holz Nachhaltiges Passivhaus

 

Lichtdurchfluteter Wohnkomfort

Tageslicht spielt bei dem kleinen, aber feinen Flachdach-Gebäude eine große Rolle. Da trifft es sich gut, dass dies auch einer der Hauptschwerpunkte in der Masterausbildung an der TU Wien ist, wo Architekt Franz Karner unterrichtet. Tageslicht ist nicht nur wichtig für die Architektur, es nimmt auch großen Einfluss auf den Menschen und sein Wohlbefinden. Deshalb wurden die riesigen Fensterflächen ohne Stürze und Barrieren auf 2,70 Meter Raumhöhe eingebaut.

Zusätzlich kamen, basierend auf einer Tageslicht-Evaluierung, Flachdachfenster zum Einsatz, um auch im Inneren des Hauses eine maximale Tageslichtausbeute zu erzielen. Das direkt über dem Kochbereich eingebaute Oberlicht schafft nicht nur optimale Lichtverhältnisse bei den Arbeiten, sondern dient aber auch als Dunstabzug und sorgt zusammen mit den 2,70 x 2,70 Meter großen Terrassentüren als Querlüftung. Dank der großzügigen Tageslicht-Versorgung braucht es bis etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang keine künstliche Beleuchtung.

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Als ob man mitten in der Natur wäre

Von allen Räumen aus ist die Terrasse barrierefrei begehbar, der Holzboden von innen geht nahezu nahtlos in den Lärchenboden der Terrasse über. Zusammen mit den raumhohen Fensterflächen und Terrassentüren hebt das Haus die Grenzen zwischen drinnen und draußen auf. Garten und Umgebung werden unmerklich zum Bestandteil des Wohnens wie das Wohnen zum Bestandteil des Umfeldes wird. Ein weiterer Vorteil des Hauses ist, dass mit Blickpunkt Alterswohnsitz bereits jetzt alles barrierefrei ausgeführt wurde – bis hin zur ebenerdigen Dusche und zur durchgehenden Rampe, die von der 25 Meter entfernten Straße direkt zum Eingangsbereich führt.

Nachhaltig und barrierefreies Passivhaus Nachhaltig dank Holzbauweise

Seit April 2015 genießt das Paar nun das Wohngefühl in seinem Passivhaus. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist eine Außenverschattung. Vorhänge sollen es werden, aus witterungsbeständigem Sonnensegel-Stoff, nach dem Vorbild der typischen Beschattungen in südlichen Ländern. Das passt viel besser zum ökologisch-nachhaltigen Grundgedanken des Hauses als hochtechnische Jalousien, sind sich Architekt und Bewohner einig.

 

 

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