Das Licht der Sonne berühren

Das Licht der Sonne berühren

Das Licht der Sonne berühren

Der VELUX Award zeichnet alle zwei Jahre Projekte aus, bei denen das Tageslicht als Gestaltungselement im Fokus steht. 2016 wurde ein Konzept zum Sieger gekürt, das in vieler Hinsicht berührt und blinden Menschen Hoffnung gibt.

Der Internationale VELUX Award ist ein im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindender Wettbewerb speziell für ArchitekturstudentInnen aus aller Welt. Unser Ziel: Wir möchten sie als die GestalterInnen von morgen schon heute für die Lebens- und Energiequelle Tageslicht sensibilisieren, ihnen die Wirkung, die natürliches Licht auf das Wohlbefinden sowie die körperliche und seelische Gesundheit ausübt, bewusst machen.

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Licht und Schatten fühlen

Die internationale Jury besteht aus renommierten ArchitektInnen und arbeitet eng mit der International Union of Architects (UIA) zusammen. Dass bei der Auswahl der besten Einreichung auch soziale Aspekte ausschlaggebend sind, zeigt das Siegerprojekt 2016: Das hochrangige Gremium prämierte eine Studentengruppe der China Academy of Art für ein Konzept, das über das Gestalten mit Tageslicht hinausging. Die Idee: Licht und Schatten für blinde Menschen fühlbar und so Strukturen und Konturen vor ihrem inneren Auge sichtbar zu machen.

Inspiriert wurden die chinesischen StudentInnen durch zwei Besonderheiten:

1. Das Phänomen der Synästhesie

Bei einigen – sehr oft hochbegabten – Menschen lösen Sinneswahrnehmungen z. B. durch Geschmack oder Gehör eine Art visuelle Mitempfindung aus. Man kann es sich so vorstellen: Sie hören zum Beispiel den Ton einer Klarinette und verbinden ihn automatisch mit einer bestimmten Farbe, sehen diese Farbe dann auch vor ihrem inneren Auge. Oder es werden Zahlenreihen, Formeln etc. vom geistigen Auge ganz automatisch bunt eingefärbt.

2. Geschärfte Sinne blinder Menschen

Für ihr innovatives Projekt nutzten die StudentInnen vor allem die intakten, durch den Sehverlust überdurchschnittlich geschärften Sinne blinder oder sehbeeinträchtigter Menschen. Das ambitionierte Ziel: ihnen das „Sehen“ des Sonnenlichts zu ermöglichen – jedoch nicht über die Augen, sondern über die Hände.

Ein Stoff, der Licht „sichtbar“ macht

Sie entwickelten einen Stoff mit konvex-konkaver Oberfläche, ähnlich der Braille-Schrift, nur mit regelmäßigem Design. Diese sensiblen „Noppen“ reagieren durch Kontraktion und Ausdehnung auf Licht bzw. Schatten, es entsteht quasi ein Bild der unmittelbaren Umwelt in Blindenschrift. Sehbehinderte Menschen können so mehr Informationen über die Außenwelt erhalten, sich sicherer in ihr bewegen und auch ihre Schönheit – zumindest in Teilbereichen – wahrnehmen.

Wir gratulieren den SiegerInnen von 2016 nochmals zu ihrem im wahrsten Sinn des Wortes berührenden Projekt und sind schon jetzt gespannt auf die Einreichungen 2018.

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Schon gewusst?

Das angeborene Phänomen der Synästhesie unterstützt die kognitiven Fähigkeiten ganz enorm, weshalb unter den Synästhetikern Menschen wie der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman, Franz Liszt, Leonard Bernstein oder der große Vincent van Gogh zu finden sind.

Zeitgenössische Promis mit der speziellen Wahrnehmungsfähigkeit sind zum Beispiel Lady Gaga, Billy Joel, Pharell Williams oder der Comiczeichner Michel Gagné, der der liebenswerten Gourmet-Ratte aus „Ratatouille“ seine eigene Fähigkeit „übertrug“.

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